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Gesundheitsdaten sprechen eher für dauerhafte Normalzeit
Immer mehr Regionen wollen den halbjährlichen Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit beenden. Eine neue kanadische Analyse kommt jedoch zu dem Schluss, dass die Wahl der dauerhaften Zeit entscheidend ist. Aus Sicht von Schlaf, Stimmung und innerer Uhr spricht die vorhandene Evidenz eher für Normalzeit als für ganzjährige Sommerzeit.
Vancouver (Kanada). British Columbia hat den halbjährlichen Uhrwechsel 2026 abgeschafft und bleibt künftig ganzjährig bei UTC-7, also bei der bisherigen Sommerzeit. Am 1. November werden die Uhren dort erstmals nicht zurückgestellt. Die Entscheidung beseitigt zwar die zweimalige Zeitverschiebung, sie beantwortet aber nicht die Frage, welche Zeit dauerhaft besser zu unserer Biologie passt.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Hell-Dunkel-Wechsel. Helles Licht am Morgen hilft, den zirkadianen Takt an den 24-Stunden-Tag anzupassen, während Licht am Abend ihn nach hinten verschieben kann. Dadurch kann eine dauerhafte Sommerzeit im Winter die biologische und die gesellschaftliche Zeit stärker auseinanderziehen.
Ein ähnliches Auseinanderdriften von innerer und sozialer Zeit ist als sozialer Jetlag bekannt. Betroffene müssen dann nach der Uhr aufstehen, obwohl ihre innere Uhr noch stärker auf Schlaf eingestellt ist. Gerade dunkle Wintermorgen können diesen Konflikt verschärfen.
Das vierköpfige Autorenteam wird vom Psychiater Dr. Raymond Lam von der University of British Columbia (UBC) angeführt. Die Forscher haben Literatur zu Schlaf, Stimmung, Gesundheit, Schule und Produktivität sowie Erfahrungen mit dauerhafter Sommerzeit ausgewertet. Es handelt sich um eine Literaturanalyse und nicht um eine neue Interventionsstudie.
Für die Autoren ist vor allem entscheidend, wann Licht auf die innere Uhr trifft. Eine dauerhafte Sommerzeit verschiebt den Sonnenaufgang nach der Uhr um eine Stunde nach hinten. Damit fällt ausgerechnet im Winter ein Teil des für die Synchronisation wichtigen Morgenlichts später an.
„Unsere biologischen Uhren brauchen Morgenlicht, um mit dem 24-Stunden-Tag synchron zu bleiben. Eine dauerhafte Sommerzeit verschiebt dieses Licht um eine Stunde nach hinten, gerade dann, wenn die Wintermorgen ohnehin am dunkelsten sind“, erklärt Dr. Ralph Mistlberger von der Simon Fraser University (SFU).
Besonders relevant könnte das für Schlaf und Stimmung sein. Nach den in der Analyse zusammengetragenen Angaben leiden in Kanada schätzungsweise ein bis drei Prozent der Menschen an einer saisonal abhängigen Depression. Bis zu 15 Prozent erleben mildere jahreszeitliche Veränderungen von Stimmung, Schlaf, Appetit und Energie.
Auch Kinder und Jugendliche könnten empfindlicher reagieren, weil sich ihr Schlafrhythmus in der Pubertät natürlicherweise nach hinten verschiebt, der Schulbeginn aber früh bleibt. Die Analyse nennt außerdem Schichtarbeiter, Menschen mit sehr frühen Arbeitszeiten sowie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel als Gruppen, für die dunklere Morgen zusätzliche Belastungen bringen können.
Die Autoren stellen die Sommerzeit nicht als ausschließlich nachteilig dar. Längeres Tageslicht am Abend kann Sport, soziale Aktivitäten, Einkäufe und andere Wege nach Arbeit oder Schule erleichtern. Die entscheidende Frage ist deshalb, wie diese Vorteile gegen mögliche Nachteile durch spätere Sonnenaufgänge abgewogen werden.