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Wirken natürliche Milch-Transfette anders als Industriefette?
Nicht jedes Transfett scheint gleich zu wirken: Eine systematische Auswertung von zehn kontrollierten Ernährungsstudien und zwölf Langzeitstudien findet für natürlich vorkommende Transfettsäuren aus Milchprodukten keine klaren Hinweise auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf- oder Diabetesrisiko. Die Aussage gilt jedoch nur für die untersuchten Milch-Transfette und wird durch mehrere methodische und finanzielle Einschränkungen begrenzt.
Reading (England). Transfette gelten pauschal als problematisch für Herz und Gefäße. Doch ihre Herkunft könnte entscheidend sein. Während industriell erzeugte Transfette bei hoher Aufnahme klar mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Sterblichkeit verbunden sind, entstehen andere Transfettsäuren natürlicherweise im Pansen von Wiederkäuern und gelangen so in Milch, Butter und Käse.
Ob diese sogenannten ruminanten Transfettsäuren dieselben Risiken tragen, ist seit Jahren umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtet ihr globales Eliminationsprogramm ausdrücklich gegen industriell erzeugte Transfette. Eine neue systematische Auswertung deutet nun darauf hin, dass Milch-Transfette zumindest in den untersuchten Mengen nicht dieselben ungünstigen Signale zeigen.
Das Autorenteam wertete zehn randomisierte kontrollierte Ernährungsstudien aus. Darin wurden normale Milchprodukte mit Produkten verglichen, deren natürlicher Transfettgehalt über die Fütterung der Kühe erhöht worden war. Die aufgenommenen Mengen lagen zwischen 1,3 und 13,2 Gramm Transfettsäuren pro Tag. In der Meta-Analyse wurden unter anderem Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride und Apolipoproteine verglichen.
Für fast alle gemessenen Blutfette ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede. Eine Ausnahme war ein sehr kleiner Rückgang des HDL-Cholesterins um im Mittel 0,05 Millimol pro Liter bei den angereicherten Milchprodukten. In Sensitivitätsanalysen nach Art des Milchprodukts blieb dieser Unterschied jedoch nicht signifikant. Auch die Cholesterinquotienten zeigten keinen nachteiligen Gesamteffekt.
Daneben bezog die Auswertung zwölf prospektive Kohortenstudien ein. Sie untersuchten, ob Blutwerte der milchtypischen Transfettsäuren Vaccensäure oder trans-Palmitoleinsäure mit späteren Erkrankungen zusammenhingen. Höhere Werte waren weder mit mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlaganfällen noch mit erhöhter Herz-Kreislauf-Sterblichkeit oder Typ-2-Diabetes verbunden.
„Diese Forschung sollte Menschen darin bestärken, dass Milchprodukte als Teil einer ausgewogenen Ernährung kein Grund zur Sorge für das Herz sind“, erklärt Professor Ian Givens von der University of Reading.
Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Fettsäuren vor Erkrankungen schützen. Die Kohortenstudien zeigen vor allem fehlende Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Als Beobachtungsstudien können sie keine Schutzwirkung belegen.
Die Arbeit verglich Milch- und Industriefette nicht in einem gemeinsamen direkten Versuch. Ihre Aussage ist enger: Unter den ausgewerteten Studien ließen sich für natürlich vorkommende Transfettsäuren aus Milchprodukten keine vergleichbaren schädlichen Signale erkennen. Die Zusammensetzung einzelner Transfettsäuren und der Lebensmittelkontext unterscheiden sich zudem von teilweise gehärteten Industriefetten.
Für industriell erzeugte Transfette bleibt die gesundheitliche Bewertung dagegen klar. Die WHO verbindet eine hohe Aufnahme mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Sterblichkeit und verfolgt ihre Entfernung aus der globalen Lebensmittelversorgung. Aus der neuen Auswertung lässt sich deshalb keine Entwarnung für Transfette insgesamt ableiten.