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Minion-Router Kevin & Bob: Deshalb sollten Sie die Finger davon lassen
Die gelben Minion-Router gehen viral. Dahinter stecken ordentliche Komponenten, aber auch Sicherheitslücken und fehlende Updates. Wir geben Kontext.
Der Hype rund um die beiden Router ist so groß, dass diese ausverkauft sind. Wir konnten sie aber dennoch auftreiben.
In sozialen Netzwerken machen erneut Bilder zweier WLAN-Router die Runde, die so gar nicht nach Netzwerktechnik aussehen: Die Geräte stecken in gelben Gehäusen im Stil der Minions, der bekannten Figuren aus den Animationsfilmen von Illumination Entertainment, angefangen mit „Ich – Einfach unverbesserlich“. Passend dazu tragen die Router die Namen Kevin und Bob. Viele Interessierte möchten die Router nun haben – sei es als Blickfang im Wohnzimmer oder als vermeintlich günstiger Router-Ersatz für das bestehende Gerät.
Wir hatten die Gelegenheit, beide Modelle in Augenschein zu nehmen. Der Blick zeigt: Die Hardware ist für den ursprünglichen Preis ordentlich, doch Software, Sicherheit und Verfügbarkeit sprechen deutlich gegen einen Kauf.
Bekannte Sicherheitslücken, seit Jahren ausbleibende Firmware-Updates und die fehlende Unterstützung des in Europa verbreiteten Einwahlprotokolls Point-to-Point Protocol over Ethernet (PPPoE) machen die Geräte für hiesige Anschlüsse zur schlechten Wahl. Der Hype um die Router mag zwar gerade erst wieder entfacht sein, vorgestellt hat sie der Hersteller Davolink allerdings schon Anfang 2024. Bloß für den europäischen Markt waren die Modelle eigentlich nie vorgesehen. Im Folgenden erklären wir, was in Kevin und Bob steckt und wo die Probleme liegen.
Auf den ersten Blick machen beide Geräte nicht nur äußerlich, sondern auch bei den technischen Daten einen guten Eindruck. Kevin ist das größere der beiden Modelle und funkt per Wi-Fi 6 in drei Frequenzbändern: Neben den klassischen WLAN-Bereichen bei 2,4 und 5 GHz nutzt er auch das 6-GHz-Band – diese Erweiterung des Standards firmiert unter der Bezeichnung Wi-Fi 6E. Auf 5 und 6 GHz arbeitet Kevin mit bis zu 160 MHz Kanalbreite. Zusammen mit zwei MIMO-Datenströmen (Multiple Input, Multiple Output) ergibt das eine Bruttodatenrate von bis zu 2,4 Gbit/s pro Band.
Wie bei allen WLAN-Angaben handelt es sich dabei um einen theoretischen Maximalwert. Im Alltag schmälern Wände, Entfernung, Protokoll-Overhead und konkurrierende Funknetze in der Nachbarschaft die tatsächlich erreichbare Datenrate erheblich. Weil im 6-GHz-Band bislang wenig los ist, stehen die Chancen dort aber vergleichsweise gut, in die Nähe des Maximalwerts zu kommen: Je weniger Netze im Umfeld funken, desto seltener müssen sich die Geräte den Kanal teilen. Allerdings dämpfen Wände und Decken höhere Frequenzen stärker als niedrige, sodass das 6-GHz-Band seine Stärken vor allem auf kürzerer Distanz ausspielt.
Bei den kabelgebundenen Anschlüssen zeigt sich Kevin spartanisch. Er besitzt genau zwei Ethernet-Ports: einen WAN-Port mit 2,5 Gbit/s für die Verbindung zum Internetzugang und einen LAN-Port mit 1 Gbit/s für das Heimnetz. Der Router integriert kein eigenes Modem; es ist also zwingend ein vorgeschaltetes Gerät am Glasfaser-, DSL- oder Kabelanschluss notwendig.
Wer mehrere Geräte per Kabel anbinden will, etwa einen PC, eine Spielkonsole und ein NAS, benötigt bei der Ausstattung einen Switch mit zusätzlichen Anschlüssen. USB-Ports für Drucker oder Speichermedien fehlen komplett.
Bob ist ähnlich aufgebaut, aber eine Klasse kleiner. Er funkt nur auf 2,4 sowie 5 GHz und nutzt maximal 80 MHz Kanalbreite. Damit ist er ein typischer AX1800-Router (1,8 Gbit/s Gesamtdatenrate): Auf 2,4 GHz sind theoretisch rund 570 Mbit/s möglich, auf 5 GHz 1200 Mbit/s. Für die Verkabelung stehen zwei Gigabit-Ports bereit, einer für WAN und einer für LAN. Darüber hinaus hat Bob keine nennenswerten Besonderheiten.