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Luzide Träume lassen sich mit wenig Training gezielt auslösen
Bewusst träumen auf Kommando: Eine halbe Stunde Aufmerksamkeitstraining mit Licht-, Ton- und Vibrationsreizen ging in einer Laborstudie bei gut der Hälfte der 60 Teilnehmer mit einem signalbestätigten Klartraum einher. Zusätzliche Reize während des REM-Schlafs erhöhten die Häufigkeit nicht eindeutig, könnten die klaren Traumphasen aber verlängern. Die Ergebnisse sind bisher nur als Preprint veröffentlicht.
Nijmegen (Niederlande). Luzide Träume sind Träume, in denen Schlafende noch während des Traums erkennen, dass sie träumen und den Verlauf manchmal bewusst beeinflussen können. Für die Forschung ist dieser Zustand besonders interessant, weil sich die erlebte Klarheit über vorher vereinbarte Augenbewegungen aus dem Schlaf heraus nachweisen lässt.
Doch Klarträume treten spontan eher selten auf, gängige Induktionsmethoden funktionieren nicht bei jedem Menschen zuverlässig und viele Versuche beruhen vor allem auf Traumberichten nach dem Aufwachen. Gesucht sind daher Verfahren, die sich objektiv überprüfen lassen und auch bei Menschen mit wenig Klartraumerfahrung funktionieren.
Forscher des Radboud University Medical Center (Radboudumc) um Mahdad Jafarzadeh Esfahani haben nun eine Kombination aus kurzem Aufmerksamkeitstraining und Sinnesreizen getestet. An der Studie nahmen 60 Erwachsene teil, die zuvor mindestens einmal einen luziden Traum erlebt hatten. Sie verbrachten an zwei Vormittagen jeweils eine bis zu zweieinhalbstündige Schlafphase in einem Labor in den Niederlanden, Italien oder Kanada.
Unmittelbar vor jedem Nickerchen absolvierten die Teilnehmer rund 30 Minuten Training, bei dem sie ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf visuelle, akustische und körperliche Eindrücke richteten. Lichtblitze, eine kurze Melodie und sanfte Vibrationen an der Stirn wurden mit dieser Übung verknüpft. Ziel war es, ungewöhnliche Sinneseindrücke später im Traum eher zu bemerken und dadurch die eigene Traumsituation zu erkennen.
Während einer der beiden Schlafphasen spielte das Team die trainierten Reize erneut ein, sobald die Teilnehmer den REM-Schlaf erreicht hatten, während die andere Schlafphase als Scheinbedingung diente. Vorher hatten alle gelernt, einen Klartraum mit festgelegten Links-rechts-Augenbewegungen zu signalisieren. Das EEG-Stirnband zeigte zugleich, ob die Person weiterhin schlief.
Die Bilanz über beide Labortermine war auffällig: 31 der 60 Teilnehmer, also 51,7 Prozent, erlebten mindestens einen auf diese Weise signalbestätigten Klartraum. Über die insgesamt 120 Nickerchen hinweg berichteten die Teilnehmer in 63 Fällen von subjektiver Klarheit, in 40 Nickerchen oder 33,3 Prozent ließ sie sich zusätzlich über das vereinbarte Augensignal bestätigen.
Die zusätzlichen Reize im REM-Schlaf steigerten die Häufigkeit solcher bestätigten Klarträume allerdings nicht eindeutig. In der Stimulationsbedingung traten sie in 38,3 Prozent der Nickerchen auf, in der Scheinbedingung in 28,3 Prozent. Dafür waren die signalbestätigten Klartraumphasen unter der Reizung länger und die Teilnehmer setzten mehr der vorher festgelegten Augenbewegungen.
Die Sinnesreize erreichten den Schlaf dennoch häufig: In 71,1 Prozent der gezielt gereizten REM-Phasen nahmen die Teilnehmer mindestens einen Reiz im Traum oder Schlaf wahr. Bei 39,1 Prozent der signalbestätigten Klarträume unter Stimulation wirkte ein solcher Reiz nach Angaben der Autoren als Hinweis auf die Traumsituation. In 23,7 Prozent der gereizten REM-Phasen störte die Stimulation allerdings den Schlaf.
Damit sprechen die Daten dafür, dass sich luzides Träumen unter kontrollierten Laborbedingungen auch bei Menschen mit wenig Erfahrung relativ häufig beobachten lässt. Sie zeigen aber nicht, dass die zusätzliche Reizung im REM-Schlaf Klarträume zuverlässig auslöst, denn der mögliche Vorteil lag vielmehr in längeren signalbestätigten Phasen. Für künftige Experimente könnte das mehr Zeit innerhalb eines Klartraums schaffen.