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Amazon - Immer mehr Menschen wollen Rechenzentren stoppen: Amazon erklärt nun, warum das ein historischer Fehler wäre
In vielen Ländern regt sich Widerstand gegen den Bau großer Rechenzentren. Anfang Oktober hat sich nun auch Amazon öffentlich eingeschaltet. (Bildquelle: Amazon)
Jeden Tag nutzen viele Menschen künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass diese Anwendungen keineswegs im luftleeren Raum existieren: Dahinter stehen riesige Hallen voller Server, ein gigantischer Strombedarf und eine physische Infrastruktur, die an ganz konkreten Orten errichtet werden muss.
Lange Zeit fand dieser materielle Teil des Internets kaum Beachtung. Doch während sich diese Anlagen rasant vermehren und immer größere Ausmaße annehmen, wachsen auch die Fragen: Wer soll mit ihnen Tür an Tür leben und welcher Preis wird dafür fällig?
In den USA (und anderen Ländern) ist diese Debatte längst nicht mehr nur theoretischer Natur.
Lokale Proteste breiten sich aus: Laut Data Center Watch wurden bereits viele Projekte verzögert oder komplett blockiert. Matt Garman, Chef von Amazon Web Services (AWS), erklärt dazu, dass im ganzen Land inzwischen »über 100 Moratorien« gegen Rechenzentren im Raum stehen.
Vor diesem Hintergrund schaltet sich Amazon nun öffentlich ein. Für den Konzern steht keineswegs nur der konkrete Bauplatz auf dem Spiel, sondern die Fähigkeit der USA, in einem strategisch entscheidenden Technologiewettlauf überhaupt Schritt zu halten.
Um die Tragweite von Amazons Argumentation zu verstehen, lohnt sich ein Blick ins Jahr 1956. Garman erinnert an den Startschuss für das US-Interstate-Highwaysystem – ein Fernstraßennetz, das ursprünglich für wirtschaftliche Zwecke und die Landesverteidigung entworfen wurde, letztlich aber das Land komplett vernetzte und neue Branchen ermöglichte, so das Unternehmen.
AWS sieht die Gegenwart an einem vergleichbaren Wendepunkt: Die Rechenkapazitäten, die künftige künstliche Intelligenz antreiben sollen, erfordern einen massiven Ausbau moderner Rechenzentren. Werde hier der Schwung verloren, könnten die USA gegenüber anderen Nationen potenziell »ins Hintertreffen« geraten. Sollten sich die Moratorien durchsetzen, drohen laut Garman Folgen »über Generationen hinweg«.
Die Ablehnung vor Ort rührt jedoch keineswegs aus diffuser Technologieskepsis. Die Anlagen treiben den Strombedarf rasant in die Höhe und zwingen Netzbetreiber zur kostspieligen Planung neuer Netze und Kraftwerke. Gleichzeitig schüren der enorme Wasserverbrauch und der hohe Flächenbedarf handfeste Konflikte.
Das Lawrence Berkeley National Laboratory schätzt, dass Rechenzentren im Jahr 2024 etwa 4,7 Prozent des gesamten US-Stromverbrauchs ausmachten; in ihrem Basisszenario für 2030 klettert dieser Wert bereits auf 11,8 Prozent.