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Experimenteller Wirkstoff tötet Fettzellen ab, statt sie zu verkleinern
Ein experimenteller Wirkstoff hat in einer kleinen Auswertung das Fettgewebe tief im Bauch stärker reduziert als ein Placebo. CBL-514 soll Fettzellen gezielt in den programmierten Zelltod treiben, statt sie nur zu verkleinern. Ob der beobachtete Effekt auch das Körpergewicht dauerhaft senkt oder vor Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt, bleibt bisher offen.
Neu-Taipeh (Taiwan). Fett im Bauchraum ist nicht gleich Fett unter der Haut. Das sogenannte viszerale Fett lagert sich zwischen den inneren Organen ab und ist mit Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Eine Verringerung dieser Depots könnte deshalb medizinisch bedeutsamer sein als eine rein äußerlich sichtbare Veränderung.
Beim Abnehmen schrumpfen Fettzellen häufig, bleiben aber im Gewebe erhalten. Auch ihre biologische Erinnerung an früheres Übergewicht könnte erneute Gewichtszunahme fördern. Ein experimenteller Wirkstoff soll nun an einem anderen Punkt ansetzen. Er löst nach präklinischen Untersuchungen in Fettzellen die Apoptose aus, ihren programmierten Zelltod.
Ein Forschungsteam mit der Erstautorin Yu-Fang Ling vom Wirkstoffentwickler Caliway Biopharmaceuticals hat untersucht, ob sich dieser Ansatz auch auf inneres Bauchfett auswirkt. Die Wissenschaftler werteten dafür nachträglich eine Untergruppe aus zwei bereits durchgeführten, placebokontrollierten Phase-2-Studien aus. Ihre neuen Resultate liegen bislang als Konferenzabstract vor.
Laut diesem Abstract umfasste die Analyse 46 Erwachsene, von denen 26 den Wirkstoff CBL-514 und 20 ein Placebo erhalten hatten. Der Body-Mass-Index lag zwischen 22 und 30. Die Injektionen erfolgten in das Unterhautfett des Unterbauchs. Anschließend erfassten die Forscher mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT), wie sich das innere Fettvolumen im Bereich des zweiten und dritten Lendenwirbels veränderte.
Vier Wochen nach der letzten Behandlung hatte das gemessene viszerale Fettvolumen in der Wirkstoffgruppe durchschnittlich um 65,5 Milliliter abgenommen. In der Placebogruppe war es dagegen um 29,4 Milliliter gestiegen. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug damit 94,9 Milliliter. Auch in den statistischen Auswertungen erwies sich der Unterschied als signifikant.
Bei einer weiteren Untersuchung acht bis zwölf Wochen nach der letzten Injektion lag die mittlere Veränderung bei minus 58,1 Millilitern unter CBL-514 und plus 79,4 Millilitern unter Placebo. Als prozentuale Veränderung nennen die Autoren minus 7,3 beziehungsweise plus 18,4 Prozent. Die Gruppen unterschieden sich damit um 25,7 Prozentpunkte. Dieser Wert bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein Viertel des gesamten Bauchfetts verschwunden war.
Die Daten betreffen zudem nur das in einem definierten Lendenwirbelbereich erfasste Fett. Sie belegen weder eine entsprechende Abnahme sämtlicher innerer Fettdepots noch eine klinisch bedeutsame Gewichtsabnahme. Auffällig ist außerdem, dass die begleitende Pressemitteilung andere Gruppengrößen und Prozentwerte nennt als das offizielle Konferenzabstract. Eine vollständige Erklärung dieser Abweichungen fehlt bislang.
CBL-514 unterscheidet sich im geplanten Wirkmechanismus von Medikamenten, die vor allem den Appetit beeinflussen. Nach bisherigen Untersuchungen soll die injizierte Substanz gezielt Fettzellen absterben lassen. Frühere, vollständig veröffentlichte Phase-2-Studien hatten bereits gezeigt, dass sich damit das Fett direkt unter der Bauchhaut verringern lässt. Wie eine Injektion in das Unterhautfett das tiefer gelegene Organfett verändert, wird durch die neue Auswertung jedoch nicht abschließend erklärt.
Der an der Analyse beteiligte Prof. W. Timothy Garvey von der University of Alabama at Birmingham (UAB), zugleich wissenschaftlicher Berater des Herstellers, bewertet den Ansatz in einer offiziellen Mitteilung ausgesprochen positiv.