// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
DNA enthüllt Verbindung zwischen Hawaii und der 7000 Kilometer entfernten Osterinsel
7000 Kilometer offener Pazifik trennen Hawaii und die Osterinsel. Trotzdem sind die polynesischen Bevölkerungen beider Inseln unter den untersuchten entlegenen Inselgruppen genetisch besonders eng verwandt, wie eine neue Erbgutanalyse zeigt. Die gemeinsame Spur führt zur Insel Mangareva und verrät, wie wiederholte Seereisen die genetische Vielfalt im Pazifik verändert haben.
San Diego (U.S.A.). Die Inseln Polynesiens liegen oft Tausende Kilometer voneinander entfernt. Dennoch gelang es ihren frühen Bewohnern, weite Strecken des offenen Pazifiks mit seetüchtigen Booten und überliefertem Navigationswissen zu überwinden. Wann welche Gruppen wohin aufbrachen und wie ihre Nachfahren miteinander verwandt sind, lässt sich allerdings nicht allein aus der Geografie ablesen.
Denn die Ausbreitung verlief nicht einfach als geradlinige Reise von Insel zu Insel. Menschen standen über große Entfernungen in Verbindung, manche Gemeinschaften gründeten neue Siedlungen, und spätere Fahrten konnten erneut genetische Spuren hinterlassen. Das Erbgut heutiger Inselbewohner bietet deshalb eine zusätzliche Möglichkeit, dieses weit verzweigte Netz der Besiedlung zu untersuchen.
Forscher der University of California San Diego (UC San Diego) um Keolu Fox haben nun gemeinsam mit internationalen Kollegen vollständige Erbgutsequenzen von 1.050 Menschen aus Polynesien analysiert. Die Daten stammen unter anderem von den Gesellschafts-, Marquesas-, Tuamotu- und Australinseln sowie von Mangareva. Hinzu kamen Vergleichsdaten aus Hawaii, von der Osterinsel, aus Samoa und Tonga.
Die Analysen enthüllten: Ausgerechnet die rund 7000 Kilometer voneinander entfernten Bevölkerungen Hawaiis und der Osterinsel, auch Rapa Nui genannt, besitzen unter den untersuchten abgelegenen Inselgruppen die engste genetische Verwandtschaft. Gemeinsam geerbte DNA-Abschnitte weisen darauf hin, dass ihre Gründerpopulationen aus eng verwandten Vorfahren hervorgingen. Deren ältere Wurzeln führen nach Mangareva im Südosten Französisch-Polynesiens.
Die Forscher vermuten deshalb eine Tradition besonders weitreichender Seefahrten. Sie bezeichnen diese mögliche Verbindung als „Holomoana Nui“, sinngemäß „große Ozeanfahrt“. Die genetischen Gemeinsamkeiten liefern jedoch weder eine Seekarte noch den Beweis, dass eine bestimmte Besatzung nacheinander beide Inseln erreichte.
„Die genetische Verbindung stützt diesen gemeinsamen Ursprung, erlaubt aber nicht, einzelne Expeditionen zu rekonstruieren oder zu behaupten, dass dieselben Menschen beide Inseln erreichten“, erklärt Mauricio Moraga von der Universidad de Chile.
Damit ergänzt der Befund frühere Hinweise auf eine Besiedlung Rapa Nuis über Mangareva. Er verdeutlicht zugleich, dass die Geschichte der polynesischen Seefahrt nicht nur von den Abständen zwischen den Inseln erzählt wird, sondern auch von den engen Beziehungen zwischen ihren Bevölkerungen.
Doch die DNA verrät noch mehr. Wenn nur wenige Menschen eine neue Insel besiedeln, nehmen sie lediglich einen Ausschnitt der genetischen Vielfalt ihrer Herkunftsgemeinschaft mit. Fachleute nennen das einen Gründereffekt. Brechen später wiederum kleine Gruppen von dieser Insel auf, kann sich der Verlust an Vielfalt über mehrere Stationen hinweg verstärken.
Dieser Vorgang gleicht ineinander geschachtelten Puppen: Jede neue Gründergruppe enthält nur einen Teil der genetischen Varianten der vorangegangenen Bevölkerung. Die neuen Analysen zeigen, dass sich solche Gründereffekte bei der Besiedlung Ostpolynesiens besonders stark aufaddierten. Hawaii und Rapa Nui zählen zu den Populationen mit den deutlichsten Spuren dieser Entwicklung.