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Warum faszinieren uns manche Schlangen, während andere Angst machen?
Warum lösen manche Schlangen Angst aus, während andere eher faszinieren? Eine Befragung von 377 Menschen in Brasilien und Portugal zeigt, dass die Bewertung mit dem Aussehen der Tiere zusammenhängt. Besonders Vipern und einige Boas wirkten bedrohlich, schlanke Nattern eher ansprechend. Zugleich standen persönliche Erfahrungen mit Schlangen mit der Stärke der Angst in Zusammenhang.
Aveiro (Portugal). Schlangen ziehen den Blick vieler Menschen schnell auf sich. Doch wer ein solches Tier erkennt, empfindet nicht zwangsläufig Angst. Manche Arten lösen eher Ekel aus, andere erscheinen schön oder faszinierend. Welche Rolle dafür Körperbau, Schuppen und Zeichnung spielen, war bisher nur teilweise geklärt.
Die Einschätzung kann von der tatsächlichen Gefährlichkeit abweichen, denn auch harmlose Schlangen können bedrohlichen Arten äußerlich ähneln. Außerdem stellt sich die Frage, ob Menschen aus unterschiedlichen Regionen ähnliche Merkmale als abschreckend oder ansprechend wahrnehmen. Dabei unterscheiden sich Lebensräume und persönliche Erfahrungen mit diesen Reptilien oft erheblich.
Forscher der Universidade de Aveiro (UA) haben gemeinsam mit Kollegen aus Brasilien untersucht, wie Schlangenbilder emotional bewertet werden. An ihrer Online-Studie nahmen 377 Erwachsene zwischen 18 und 74 Jahren aus Portugal und Brasilien teil. In Brasilien leben deutlich mehr Schlangenarten als in Portugal, was einen Vergleich unterschiedlicher ökologischer Lebensbedingungen ermöglichte.
Die Teilnehmer betrachteten Fotografien von insgesamt 92 Arten, darunter neben Schlangen auch einige schlangenähnliche, beinlose Reptilien. Für jedes Bild beurteilten sie Angst, Ekel und Schönheit sowie die positive oder negative Gefühlswirkung, Erregung und vermutete Körpergröße. Zudem machten sie Angaben zu ihrer allgemeinen Schlangenangst, bisherigen Begegnungen mit den Tieren und ihren Erfahrungen in der Natur.
Bei der statistischen Auswertung der Bewertungen ergaben sich drei Muster, die in beiden Ländern ähnlich ausfielen. Besonders große Angst lösten vor allem Vipern, einige Boas und Arten aus, die gefährlich wirkende Merkmale nachahmen. Bilder aus dieser Gruppe besaßen überdurchschnittlich viele auffällige Kanten und Kontraste, etwa durch ausgeprägte Muster der Schuppen oder Körperzeichnung.
Eine zweite Gruppe erhielt überwiegend positive emotionale Bewertungen. Zu ihr gehörten vor allem viele schlank gebaute, meist harmlose Nattern und verwandte Schlangen. In einer kleineren dritten Gruppe überwogen Ekelreaktionen, insbesondere auf grabend lebende Arten und auf beinlose Reptilien, die biologisch gar nicht zu den Schlangen gehören.
Die Reaktionen spiegelten damit nicht einfach wider, ob eine bestimmte Art tatsächlich gefährlich ist. Vielmehr könnte das Erscheinungsbild als eine Art grobe Orientierung dienen, mit deren Hilfe Menschen eine mögliche Bedrohung schnell einschätzen. Welche einzelnen Merkmale für diese Einschätzung ausschlaggebend sind, lässt sich aus der Auswertung allerdings noch nicht eindeutig ableiten.
Das Aussehen allein erklärte die Reaktionen nicht. Auch die allgemeine Furcht der Befragten und ihre bisherigen Begegnungen mit Schlangen standen mit den Bewertungen in Zusammenhang. Teilnehmer, die häufiger Schlangen begegnet waren, insbesondere in natürlichen Umgebungen, erreichten in einem Fragebogen zur Schlangenangst tendenziell niedrigere Werte.
Das bedeutet nicht, dass Begegnungen mit Schlangen die Angst nachweislich verringern. Ebenso ist denkbar, dass Menschen mit geringerer Angst eher in der Natur unterwegs sind und dort häufiger Schlangen sehen. Da die Untersuchung auf einer Befragung beruht, kann sie die Richtung dieses Zusammenhangs nicht klären.