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Flut in Nepal wurde durch eine Fels- und Eislawine ausgelöst
Eine verheerende Sturzflut hat im nepalesischen Himalaya Brücken beschädigt und ein Lager an einer Wasserkraftbaustelle mitgerissen. Ein neuer Behördenbericht rekonstruiert nun eine Kettenreaktion, die mit einer Lawine in rund 6.000 Metern Höhe begann. Geröll und Eis versperrten wiederholt Gebirgsbäche und führten zu mehreren Flutwellen, die sich talabwärts fortsetzten.
Kathmandu (Nepal). In schmalen Himalayatälern liegen Siedlungen, Wege und Wasserkraftanlagen oft nahe an Gebirgsflüssen. Eine jüngste Analyse der Bebauung in Himalayatälern zeigt, dass immer mehr Infrastruktur in potenziell überflutungsgefährdeten Lagen entsteht. Besonders gefährlich sind plötzliche Sperren aus Fels und Geröll, hinter denen sich Wasser aufstauen und schlagartig wieder freisetzen kann.
Am 11. Oktober 2026 traf eine solche Flut den Budhi Gandaki im Bezirk Gorkha. Anfangs galt ein Erdrutsch als wahrscheinliche Ursache. Inzwischen beschreibt die National Disaster Risk Reduction and Management Authority (NDRRMA) den Verlauf anhand einer technischen Untersuchung mit Satellitenbildern, Geländebeobachtungen und Pegeldaten. Grundlage ist ein vorläufiger Behördenbericht und keine begutachtete Fachstudie.
Nach der behördlichen Rekonstruktion ging am 11. Oktober gegen 4.20 Uhr eine Schneelawine in etwa 6.000 Metern Höhe nieder. Hinzu kam ein großer Hangrutsch mit Gletschereis und Geröll auf rund 5.500 Metern Höhe, nahe dem Oberlauf des Ungdilung Khola zwischen Chamar Himal und Syerang Himal. Dort besteht der Gebirgsuntergrund aus vergleichsweise schwachem Gestein.
Die Mischung aus Schnee, Eis, Wasser und Schutt bewegte sich durch das steile Tal nach Süden. In ungefähr 2.000 Metern Höhe verengte sich der Talraum am Zusammenfluss von Ungdilung Khola und Syar Khola. Dort lagerten sich große Geröllmengen ab, sodass der Wasserabfluss wiederholt blockiert wurde. Sobald die natürlichen Hindernisse nachgaben, ergossen sich neue Wasserschübe talabwärts.
Die Behörde hält zudem für möglich, dass eine weitere vorübergehende Sperre am Zusammenfluss des Syar Khola mit dem Budhi Gandaki entstand. Die Flut war demnach keine einzelne Welle, sondern eine Folge mehrerer miteinander verknüpfter Massenbewegungen und kurzzeitiger Aufstauungen.
Etwa eine Stunde vor der höchsten Flutwelle kam der Abfluss im Syar Khola nach Geländebeobachtungen zeitweise zum Stillstand. Oberhalb des Hindernisses staute sich das Wasser auf einer Strecke von rund 1,5 Kilometern. Doch für die Stärke des Hochwassers war offenbar nicht allein das zeitweise zurückgehaltene Wasser entscheidend.
Die Schlammflut erreichte Salleri nach dem Lagebericht erstmals gegen 4.30 Uhr. Ihr größter Schub traf den Ort gegen 6.30 Uhr und erreichte nach Schätzungen der Behörde eine Höhe von 20 bis 25 Metern. Die Flut riss das Lager einer Wasserkraftbaustelle fort. Weiter talabwärts beschädigte sie Gebäude bei Jagat und mehrere feste Brücken.
Entscheidend war offenbar auch die große Menge an Geröll. Das herabgeschwemmte Material trug laut der technischen Auswertung stärker zur Fluthöhe bei als das Wasser, das vorübergehend im Syar Khola aufgestaut worden war. Ein ungewöhnlich hoher Anteil feinkörniger Erde verlieh dem Gemisch zudem die Eigenschaften eines zähflüssigen Schlammstroms.
Eine vorläufige Abschätzung des nepalesischen Department of Mines and Geology setzt die beim Hangrutsch freigesetzte Energie mit der eines Erdbebens der Magnitude 3,5 gleich. Das beschreibt die Größenordnung der Massenbewegung und bedeutet nicht, dass ein Erdbeben den Absturz auslöste.