// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Reform der Notfallversorgung beschlossen - was sich für Patienten ändert
Wer wirklich dringend medizinische Hilfe braucht, soll schneller drankommen. Leichtere Fälle sollen gar nicht erst in der Notaufnahme landen - der Bundestag hat die Reform der Notfallmedizin beschlossen. Was ändert sich konkret?
Vieles von dem, was die schwarz-rote Koalition derzeit an Veränderungen im Gesundheitsbereich plant, ist umstritten - dieser Punkt aber eher nicht: die Reform der Notfallmedizin. Überfüllte Notaufnahmen, überlastetes medizinisches Personal in Kliniken und beim Rettungsdienst - fast jeder kennt die Problematik aus eigenem Erleben oder Schilderungen von Betroffenen. Nun soll die Notfallversorgung neu strukturiert werden. Der Bundestag stimmte den Gesetzesplänen zu, die 2027 in Kraft treten sollen.
Das Statistische Bundesamt hatte im vergangenen Dezember mitgeteilt, dass in den Krankenhäusern in Deutschland 2024 rund 13 Millionen ambulante Notfälle behandelt wurden. Das war ein Anstieg um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit Beginn der Erfassung 2018. Damit wurden im Jahr 2024 im Durchschnitt täglich rund 35.600 Menschen in einer Notfallambulanz versorgt.
Besonders in den zwei größten Städten Berlin und Hamburg gab es viele Fälle von ambulanten Behandlungen.
mehr
Ein Grund für den Anstieg der Zahlen dürfte auch sein: Patienten nutzen die Notaufnahmen und die Notrufnummer auch bei kleineren Problemen und chronischen Erkrankungen oder bei Einsamkeit. Das berichten Ärzte und Mitarbeiter im Rettungsdienst und sprechen von Fehlsteuerungen.
Nach einer im April veröffentlichten Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin sieht sich fast jede zweite Notaufnahme in Deutschland überlastet - und das teils so stark, dass die Patientensicherheit gefährdet sein kann. 60,6 Prozent der Kliniken gaben als Grund für die Überlastung an, Patienten hätten von der Notaufnahme nicht auf reguläre Stationen verlegt werden können, weil dort keine Betten frei gewesen seien. Beinahe zwei Drittel der Krankenhäuser berichteten von unbesetzten Stellen in ihrer Notaufnahme im ärztlichen Dienst beziehungsweise in der Pflege. Nur knapp ein Drittel bewertete die Personalausstattung als ausreichend.
Es geht darum, die drei Versorgungsbereiche - vertragsärztlicher Notdienst, Notaufnahmen der Krankenhäuser und Rettungsdienste - besser aufeinander abzustimmen. Die Patientinnen und Patienten sollen besser gesteuert werden. Eine telefonische oder digitale Ersteinschätzung ist ein Kernelement der Reform. Gerade bei leichten Erkrankungen sollen Videosprechstunden den Versicherten Wege und Wartezeiten ersparen.
Große Hilfs- und Rettungsorganisationen verlangen allerdings Nachbesserungen.
mehr
Mit der Reform sollen rund 750 integrierte Notfallzentren an Krankenhäusern aufgebaut werden, die den stationären und ambulanten Bereich besser verzahnen und rund um die Uhr erreichbar sein sollen. Vorgesehen ist, dass die Notaufnahme des Krankenhauses, Notdienstpraxen der Kassenärztlichen Vereinigung sowie eine - perspektivisch digitale - Ersteinschätzung zusammenarbeiten. Um einer Überlastung der Notaufnahmen vorzubeugen, sollen weitere Notdienstpraxen zu festgelegten Zeiten - etwa an Wochenenden - unterstützen.
Ja, aber häusliche Besuche beim Patienten sollen erst dann vermittelt werden, wenn weder eine Weiterleitung zur Arztpraxis, eine telemedizinische Behandlung noch eine Versorgung in einem Notfallzentrum im Einzelfall geeignet sind.