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Trash Poker im Test: Warum es Balatro-Fans deutlich mehr anspricht als Poker-Puristen
Ein herrlich überdrehter Deckbuilding-Spaß. Wer sich in die tiefgreifende Mechanik von Trash Poker einfuchst, wird mit jeder Menge Spielspaß belohnt.
Der Poker-Boom ist vollständig an mir vorbeigezogen. Ich besitze weder einen Poker-Koffer noch habe ich mich in den letzten Jahren an irgendwelchen Texas-Hold’em-Runden beteiligt. Dann landete Trash Poker auf meinem Tisch. Und was soll ich sagen? Das Teil hat verdammt viel Bock gemacht! Bin ich also vielleicht doch ein verkappter Poker-Fan, der erst auf den Geschmack kommen musste? Wohl kaum, denn tatsächlich hat Trash Poker viel weniger mit Poker zu tun, als es der Name vermuten lässt. Straßen, Drillinge und Full Houses gibt es hier zwar auch, aber damit erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten auch schon wieder fast. Solltet ihr nicht auf Brettspiele stehen und habt nur wegen des Poker-Labels neugierig auf diesen Artikel geklickt, könnt ihr also direkt wieder zur Eurogamer-Hauptseite weiterziehen. Wenn euch das Videospiel Balatro hingegen zusagt, dann viel Spaß bei den kommenden Zeilen.
Trash Poker ist ein Deckbuilding-Brettspiel der Autoren Rico Besteher und Frank Noack für 1 bis 4 Personen ab 12 Jahren. Es erschien beim Verlag Corax Games. Statt klassischem Poker manipuliert ihr hier eure Karten mit Jokern und mächtigen Upgrades für möglichst absurde Kombinationen.
Zunächst sieht eigentlich alles ganz normal aus. Vor euch liegt ein Stapel mit 52 Karten, ein völlig normales Poker-Deck also. Stimmt genau, zumindest wenn man von den seltsamen Bannern mit kryptischen Symbolen absieht, die auf allen Karten zu sehen sind. Sie werden im Verlauf der Partie noch relevant und den Ablauf ziemlich auf den Kopf stellen. Und damit es noch eine Spur abgefahrener wird, bekommt gleich jeder Spieler sein eigenes Deck mit 52 Karten. Diesen ursprünglichen Zustand wird es jedoch nicht allzu lange behalten, denn in Trash Poker werdet ihr versuchen, euren persönlichen Stapel zu optimieren, um in jeder Runde möglichst wertvolle Kartenkombinationen auslegen zu können.
Die Partie verläuft immer über exakt acht Runden, in denen ihr jeweils fünf Karten offen in der Tischmitte auslegen werdet, um sie mit den Mitspielern zu vergleichen. Wer die wertvollste Kombi offeriert, gewinnt den Durchlauf und darf sich über Pokerchips freuen, die als Siegpunkte herhalten. Für die Nächstbestplatzierten fallen sogar auch noch ein paar Punkte ab. Seid ihr diesmal leer ausgegangen, erhascht ihr euch als kleinen Ausgleich dafür den First Pick bei der Deckmanipulation. Womit wir auch schon beim Kern von Trash Poker wären. Hier werden Karten gnadenlos rausgeworfen, durch mächtigere Varianten ersetzt und Effekte verstärkt, dass sich die Balken biegen.
Die Karten selbst werden ordentlich durchrotiert. Das fängt schon zu Rundenbeginn an. Obwohl für die Kartenauslage natürlich nur fünf Karten gebraucht werden, dürft ihr euch direkt sieben Karten vom persönlichen Deck ziehen, um etwas mehr Auswahl zu haben. Doch damit nicht genug. Einmalig könnt ihr jetzt bis zu fünf Karten direkt abwerfen und die Hand wieder aufstocken. Schon dadurch habt ihr deutlich bessere Chancen, eine starke Kombi auszulegen, als beim Standard-Poker. Fünf Karten müssen es sein, die ihr offen ausspielt und mit der Konkurrenz vergleicht. Für die besten Kombis werden Punkte verteilt, bevor ihr euch endlich mit der Deckbuilding-Komponente in Trash Poker beschäftigt.
Die nicht verwendeten Handkarten aller Spieler werden als Einsatz verwendet und stehen nun zur Disposition. Wer zuvor die am wenigsten wertvolle Kombination auslegen konnte, darf sich zuerst daraus bedienen und sich eine beliebige Karte aneignen. In jeder Runde wird der Einsatz um ein bis zwei Jokerkarten aus einem allgemeinen Pool ergänzt, die ebenfalls zur Wahl stehen. Das klingt zunächst noch gar nicht sonderlich spektakulär, erweist sich aber als taktisch recht anspruchsvoll. Es gibt etliche Kleinigkeiten, die es zu bedenken gilt. Auf der einen Seite wollt ihr vielleicht Karten loswerden, die