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Lassen sich Klimaschäden durch einzelne Wetterextreme genau beziffern?
Wie viel eines Hurrikanschadens geht auf den Klimawandel zurück? Eine neue theoretische Analyse zeigt, warum verschiedene Berechnungsverfahren selbst bei perfekten Daten zu unterschiedlichen Antworten gelangen können. Beide Ansätze können dennoch über viele Ereignisse hinweg die zusätzlichen Klimaschäden korrekt erfassen, allerdings nur unter engen Voraussetzungen.
Ithaca (U.S.A.). Wenn ein Starkregen eine Stadt überflutet oder ein Hurrikan schwere Schäden anrichtet, stellt sich nicht nur die Frage nach dem Einfluss des Klimawandels auf das Wetter. Ebenso umstritten ist, welcher Teil der finanziellen Folgen auf den menschengemachten Temperaturanstieg zurückgeht.
Die Attributionsforschung zu Extremwetter vergleicht dafür das tatsächliche Ereignis mit einer modellierten Welt ohne den menschlichen Beitrag zur Erwärmung. Allerdings lässt sich dieser Vergleich auf unterschiedliche Weise anstellen. So kann der Klimawandel ein bestimmtes Unwetter wahrscheinlicher machen oder dessen Intensität verstärken.
Forscher der Cornell University um Dr. Aaron Match haben nun theoretisch untersucht, wie sich diese unterschiedlichen Kostenschätzungen miteinander vereinbaren lassen. Die Wissenschaftler entwickelten dazu ein mathematisches Kriterium, anhand dessen sich die langfristige Aussagekraft beider Verfahren beurteilen lässt.
Wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen, verdeutlicht Hurrikan Harvey, der 2017 in Texas großflächige Überflutungen verursachte. Frühere Untersuchungen gingen von rund 90 Milliarden US-Dollar Schäden aus und berechneten daraus sehr unterschiedliche klimabedingte Kosten.
Ein Ansatz betrachtete, wie stark die Erderwärmung die Häufigkeit vergleichbarer Stürme erhöht hatte. Er ordnete ungefähr 75 Prozent der Schäden, also rund 67 Milliarden US-Dollar, dem Klimawandel zu. Eine andere Untersuchung modellierte dagegen, wie schwach die Niederschläge ohne zusätzliche Erwärmung ausgefallen wären. Sie kam auf etwa 15 Prozent oder rund 13 Milliarden US-Dollar.
Die beiden Zahlen sind keine neuen Schätzungen der aktuellen Studie. Sie stammen aus unterschiedlichen früheren Arbeiten und vergleichen nicht dieselbe hypothetische Situation. Beim Häufigkeitsansatz könnte das Ereignis ohne Klimawandel ganz ausgeblieben sein. Beim Intensitätsansatz hätte es stattgefunden, aber geringere Schäden verursacht.
Um die Verfahren dennoch vergleichen zu können, haben die Wissenschaftler ein theoretisches Modell für die zeitliche Abfolge vieler Extremereignisse entwickelt. Darin gilt ein Verfahren als konsistent, wenn seine über längere Zeit aufsummierten Zuschreibungen den tatsächlichen zusätzlichen Schadenskosten gegenüber einer Welt ohne menschengemachte Erwärmung entsprechen.
Die Analyse zeigt, dass grundsätzlich beide Verfahren diese Bedingung erfüllen können, auch wenn sie bei einem einzelnen Unwetter unterschiedliche Beträge ausweisen. Entscheidend ist also nicht, ob beide Rechnungen für Harvey zum gleichen Ergebnis kommen. Vielmehr müssen ihre Schätzungen über eine passend definierte Gruppe von Ereignissen hinweg die gesamten Mehrkosten abbilden.
Damit erhält der scheinbare Widerspruch eine Erklärung. Die Ansätze beantworten verschiedene Fragen zu möglichen Alternativen eines Extremereignisses, können aber unter bestimmten Annahmen dieselbe langfristige Kostengröße erfassen. Eine eindeutige Summe für jedes einzelne Wetterextrem folgt daraus gerade nicht.