// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Deutschlands schwindende Anziehungskraft für Investoren
Für internationale Konzerne ist Deutschland seit Jahren immer weniger attraktiv. Sie meiden den Standort ganz oder halbieren geplante Investitionen, wie etwa der Pharmakonzern Eli Lilly in Alzey. Die Folgen sind gravierend.
Es ist immer noch ein Megaprojekt. Im rheinland-pfälzischen Alzey baut der Pharmakonzern Eli Lilly ein riesiges Werk. Aber statt zwei Milliarden wird nur noch eine Milliarde investiert, statt rund 1.000 Jobs werden es wohl nur noch etwa 500 sein.
Anfang Juni hat das Unternehmen seine Investitionssumme halbiert. Als Gründe nannte der Konzern die von der Bundesregierung gerade beschlossenen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und schlechtere Rahmenbedingungen.
Die Vereinbarung soll die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken.
mehr
"Ich bin vom Kürzungsplan auch überrascht worden", erzählt Steffen Jung. Er ist der Bürgermeister von Alzey. Mehr als zweieinhalb Jahre hatte sich Jung mit der Stadt auf die Megainvestition eingestellt - neue Straßen, Wohnungen und Kitas geplant. "Trotzdem bleibt es eine herausragende Ansiedlung für Alzey und die gesamte Region", betont Jung.
Aber: Für den Bürgermeister ist die massive Kürzung ein Grundsatzproblem, das weit über Alzey hinausgeht. "Ich sehe die Entscheidung von Lilly Deutschland auch als Weckruf an die Bundesregierung. Es ist ein Warnsignal. Es ist jetzt die Aufgabe der Bundesregierung, mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen und Deutschland für entsprechende Ansiedlungen wieder attraktiv zu machen."
"Ich bin vom Kürzungsplan auch überrascht worden" - der Bürgermeister von Alzey hatte mit deutlich höheren Investitionen gerechnet.
Alzey ist kein Einzelfall. Auch in anderen Regionen in Rheinland-Pfalz investiert die Wirtschaft immer weniger in den Standort. So verlagert der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen schon seit Jahren Teile der Produktion nach China. In diesem Jahr gab es noch weitere Hiobsbotschaften: Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim gab bekannt, seine geplanten Investitionen in Deutschland in Höhe von 900 Millionen Euro komplett zu streichen. Die Gelder gehen nun vor allem in die USA und nach Asien.
Und eine geplante Batteriefabrik in Kaiserslautern wird gar nicht mehr gebaut. Der Batteriehersteller Automotive Cells Company (ACC) gab das milliardenschwere Vorhaben auf. Hauptgrund ist der schwache Absatz von E-Autos in Europa.
Auch kleinere und mittlere Betriebe sind von der Entwicklung betroffen - so wie der Maschinenbauer Minitec in der Nähe von Kaiserslautern. Der Betrieb mit seinen 270 Mitarbeitenden fertigt Spezialanlagen. Geschäftskunden sind etwa die Automobil-, Lebensmittel- oder Baubranche.