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Netflix: Streamingdienst feuert Content-Chefin Bela Bajaria und Filmchef Dan Lin vor Quartalsbericht
Netflix muss flexibel bleiben, das ist Ted Sarandos’ Mantra. »Es gibt hier keine heiligen Kühe«, sagte der Co-CEO von Netflix im Januar in einem Interview. Dass der Spruch auch für Menschen gilt, erfuhr die Filmbranche vergangene Woche, als Netflix seine langjährige Contentchefin Bela Bajaria feuerte. Bajaria galt vielen als das Gesicht der Neuausrichtung des Streamers zur Schmiede globaler Serienhits. Jetzt wurde bekannt, dass auch Filmchef Dan Lin am Wochenende gefeuert worden war.
Die größere Überraschung war jedoch eindeutig der Rauswurf von Bajaria. Sie war seit zehn Jahren für die Inhalte des Streaminggiganten zuständig, unter ihrer Ägide entstanden Erfolge wie »Squid Game«, »Adolescence« oder »KPop Demon Hunters«. Bajaria war maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung von Netflix zu einer globalen Produktionsmaschine, unter ihrer Führung schuf die Firma knapp zwei Dutzend neue Standorte auf der ganzen Welt. Außerdem baute sie die Livesparte des Streamers aus, die sehr erfolgreich darin war, Abonnenten anzuziehen.
Die Entlassung Bajarias krönte eine Woche, die manche Branchendienste als »Entlassungsmassaker« bezeichnen: Sechs Prozent der Gesamtbelegschaft von Netflix, also rund tausend Mitarbeiter, mussten gehen. Netflix wächst langsamer, als Sarandos es sich wünscht; auch die Nutzungszahlen bereiten Sorgen. Das spiegelt sich im Aktienkurs, der vor einem Jahr noch bei über 120 Dollar lag, heute aber unter 70 Dollar liegt. Der Druck ist dieser Tage besonders hoch, denn am Dienstag will der Streamer seine Quartalszahlen veröffentlichen.
Allerdings war Bajaria offenbar bis zuletzt versichert worden, ihr Job sei sicher. Noch am Mittwochmorgen führte sie Gespräche mit gefeuerten Mitarbeitern und versuchte, die verbliebenen zu motivieren, berichten Branchenmedien. Da wusste sie noch nicht, dass sie am Nachmittag selbst abgesägt werden würde. Bajarias Nachfolge übernimmt der frühere Disney- und Fox-Manager Peter Rice.
Contentchefin Bajaria mit Schauspieler Will Ferrell und CEO Ted Sarandos: »Entlassungsmassaker«
Innerhalb Hollywoods scheinen viele überzeugt, dass Bajaria vor allem als Sündenbock für die Anleger herhalten musste. »Die Schuld wird immer bei den Inhalten gesucht«, sagte ein Insider dem Branchendienst »Variety« . »Aber man entlässt nicht tausend Mitarbeiter, ohne dass es ein großes Problem mit dem Geschäftsmodell gibt.«
Sarandos muss also hoffen, dass die Umstrukturierungen die Anleger überzeugen, die Quartalszahlen wohlwollend aufzunehmen. Denn so langsam, schreibt der Branchendienst »Indiewire«, sei bei Netflix »niemand mehr übrig, den man noch feuern könnte«.