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Angriffe auf Brücken in Kiew: "Man muss ja irgendwie weiterleben"
Seit Wochen greift Russland gezielt Brücken in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an. Die Einwohner versuchen, sich mit dem Verkehrschaos so gut wie möglich zu arrangieren. Der Ausnahmezustand gehört bereits zum Alltag.
Feierabendverkehr in Kiew. Dicht an dicht stehen die Fahrgäste im Stadtbus 110. Vom Zentrum geht es über den Fluss Dnipro auf die andere Seite der Stadt. Hunderttausende pendeln täglich über die Brücken - auch Andrij.
Der 32-jährige Bäcker erlebt zurzeit ziemlich volle Busse: "Voll ist gar kein Ausdruck - die Busse sind einfach brechend voll. Und man kommt nicht immer rein. Heute Morgen zum Beispiel ist ein Bus einfach vorbeigefahren, ohne anzuhalten. Beim zweiten hatte ich dann Glück."
Der Bundeskanzler war am Morgen mit dem Zug in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen.
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Grund sind die immer heftigeren Angriffe. Seit Wochen zielt Russland nun verstärkt auf Brücken. Als Bundeskanzler Merz Anfang Oktober Kiew besuchte, schlug auf der Nordbrücke eine Drohne ein. Der Verkehr musste umgeleitet werden, kilometerlange Staus waren die Folge.
Auch Metroverbindungen fallen wegen der Attacken öfter aus, die Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen. Iryna ist auf dem Weg zu ihrer Mutter. Für sie und viele andere ist das Gefühl ständiger Bedrohung Alltag: "Angst ist sozusagen zu einem Dauerzustand geworden. Man weiß einfach, dass ständig etwas passieren könnte. Die Menschen gewöhnen sich irgendwie daran, aber das ist nicht normal."
Bereits am Vortag waren drei von sechs Straßenbrücken Kiews angegriffen und beschädigt worden.
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Russland gehe es bei seinen Angriffen nicht nur um die Brücken an sich, sagt Dmytro Bespalow. Der Experte für Verkehrsplanung lehrt an der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur Kiew. Vielmehr nehme Russland mit diesen Angriffen die gesamte ukrainische Wirtschaft ins Visier.
"In Kiew besteht ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen der Verteilung der Wohnbevölkerung und der Arbeitsplätze", erklärt Bespalow. "Viele Menschen leben am linken Ufer des Dnipro, während sich die meisten Arbeitsplätze am rechten Ufer befinden."
Wenn Menschen nicht mehr zur Arbeit kommen, wirke sich das auf die Wirtschaft aus. Außerdem laufe auch ein erheblicher Teil der Gütertransporte über die Brücken.