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Stranger Than Heaven fühlt sich im besten Sinne altmodisch und doch erstaunlich neu an
Die Origin-Story zu Yakuza beziehungsweise Like a Dragon macht Geschichte greifbar, führt neue Minispiele ein und begeistert mit einem starken Kampfsystem.
Ich wusste das lange Zeit gar nicht, also dass Stranger Than Heaven nicht nur entfernt verwandt mit der Yakuza-Serie ist beziehungsweise Like a Dragon, wie sie jetzt heißt. Dabei erzählt das Prequel nicht weniger als die ganze Vorgeschichte des Tojo-Clans, der dort ja über weite Strecken eine zentrale Rolle spielt. Wobei ich mit „ganzer Vorgeschichte“ vor allem eins meine: dass man einen Zeitraum von ganzen 50 Jahren erlebt! Weshalb Stranger Than Heaven nicht nur ein etwas anderer Teil der langlebigen Serie ist, sondern auf sehr stimmungsvolle Art auch ein Stück Zeitgeschichte darstellt.
Die Kulissen haben es mir jedenfalls schon beim ersten Anspielen wieder angetan. Denn von den kleinen Häusern im Kokura des Jahres 1915 über das 1929er Kure bis hin zu Dotonbori (auch Minami genannt) zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hat Stranger Than Heaven sofort wieder mein Fernweh geweckt. Und da habe ich spätere Schauplätze, sprich die kleine Stadt Atami im Jahr 1951 sowie das Shinjuku der 60er Jahre, wo sich mit Kamurocho ja der bekannteste Schauplatz der Serie befindet, noch gar nicht gesehen.
Aber wenn RGG Studio eins kann, dann ist es eben die Darstellung glaubwürdiger Kulissen – das Gefühl hervorzurufen, einen Ort zu erkunden, der besonders aus nicht-asiatischer Sicht ebenso exotisch wie greifbar scheint. Und dieses Gefühl war auch diesmal sofort da. Das liegt daran, dass man in Ruhe durch überschaubare Stadtviertel läuft, in viele Häuser hinein und oft genug sogar den zweiten Stock betreten kann, um an allen Ecken und Enden Geschäfte, Minispiele oder Missionen zu finden.
Im Grunde führt Ryu Ga Gotoku, wie Segas im Westen erst Yakuza und inzwischen Like a Dragon genannte Serie in Japan heißt, genau das weiter, was Yu Suzuki einst mit Shenmue, das ebenfalls bei Sega erschien, geschaffen hat: In überschaubaren Vierteln großer und kleiner Städte kann man sich vielseitig betun, sodass die Kulisse nicht nur Fassade, sondern interaktiver Bestandteil des Abenteuers ist. Diese Tradition führt Stranger Than Heaven unverändert fort. Erscheinen soll das Spiel am 15. Januar 2027 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series S/X.
Dabei orientieren sich die Entwickler diesmal zwar erneut an den realen Orten, legen ihrer Beschreibung nach aber verstärkten Wert auf eine vor allem spielerisch sinnvolle Anordnung der Straßen und Häuser. Dafür arbeiten sie unter anderem mit Farben und Filtern, die den Zeitgeist wiedergeben, wie man ihn von Fotos und Filmen kennt. Schon deshalb wirkt Stranger Than Heaven wie eine nostalgische Reise durch die Vergangenheit.
Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mir aus technischer Sicht einen größeren Schritt nach vorne erhofft hatte. Stattdessen erinnern Animationen sowie die Art vieler Details sehr stark an das, was man in den vergangenen Jahren schon gesehen hat. Das sorgt nicht für einen negativen Eindruck, ebenso wenig aber für einen besonders guten.
Und auch die Erzählweise ist ganz klar die eines Like-a-Dragon-Abenteuers. Mit anderen Worten, ausladende Filmszenen spielen eine große Rolle und selbst offensichtliche Nuancen werden überdeutlich ausformuliert. Ein Beispiel: Als Makoto Daito während der Überfahrt von Amerika nach Japan als blinder Passagier entdeckt wird und mit Kapitän Orpheus, gespielt von Snoop Dogg, anschließend über Schwierigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund spricht, muss er extra aussprechen, dass Orpheus damit doch sehr vertraut sein sollte. Na, zum Glück! Diese Connection wäre mir glatt entgangen.
Aber gut. Yakuza bleibt Like a Dragon bleibt Stranger Than Heaven. Zumal Makotos eigene Geschichte durchaus interessant ist. Immerhin fand er als Kind eines amerikastämmigen Vaters und einer Mutter mit japanischen Wurzeln in Amerika kein Zuhause, weshalb er sich an Bord des Frachtschiffs nach Japan schmuggelt. Dort trifft er zum einen