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Kinder mit späterer Psychose haben tendenziell kleinere Köpfe
Frühe Spuren: Wer mit 18 Jahren die Kriterien einer psychotischen Störung erfüllte, hatte laut einer Langzeitstudie schon als Baby im Schnitt einen etwas kleineren Kopfumfang. Dieser Unterschied blieb bis zur Jugend nahezu gleich. Wurde jedoch die Körpergröße berücksichtigt, verschwand der statistische Zusammenhang. Das deutet eher auf Unterschiede im allgemeinen Wachstum als auf eine isolierte Veränderung des Gehirns hin.
London (England). Bei einer Psychose verändert sich die Wahrnehmung der Wirklichkeit. Betroffene können beispielsweise Stimmen hören, die andere nicht wahrnehmen, oder von Überzeugungen erfasst werden, die nicht der Realität entsprechen. Solche Symptome können Teil einer schwerwiegenden Erkrankung sein, treten aber auch vereinzelt ohne eine diagnostizierte psychotische Störung auf.
Vieles spricht dafür, dass die Anfälligkeit für Schizophrenie und andere psychotische Erkrankungen schon lange vor den ersten Symptomen entsteht. Ob sich das bereits am körperlichen Wachstum in der Kindheit ablesen lässt, war bislang jedoch umstritten. Der Kopfumfang gilt zwar als grober Anhaltspunkt für die Gehirngröße. Frühere Studien lieferten aber widersprüchliche Ergebnisse.
Forscher des University College London (UCL) um Dr. Kate Merritt haben deshalb die Entwicklung des Kopfumfangs von der Geburt bis ins Jugendalter mit späteren psychotischen Beschwerden verglichen. Dazu nutzten sie die britische Langzeitstudie „Children of the 90s“, auch Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC) genannt, die Familien aus Südwestengland seit den 1990er-Jahren begleitet.
In die Analyse gingen 3.866 Kinder ein, für die Messwerte des Kopfumfangs aus dem Zeitraum von der Geburt bis zum 15. Lebensjahr verfügbar waren. Mit 17 oder 18 Jahren erfassten geschulte Psychologen in strukturierten Interviews psychotische Erfahrungen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Von den Jugendlichen zeigten 339 solche Erfahrungen. Darunter waren 62, die zusätzlich die festgelegten Kriterien einer psychotischen Störung erfüllten. Die übrigen 3.527 dienten als Kontrollgruppe.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe lag der statistisch geschätzte Kopfumfang der 62 Betroffenen von Geburt an bis zum 15. Lebensjahr im Mittel um 0,26 Zentimeter niedriger. Das entspricht nur 2,6 Millimetern. Der Abstand veränderte sich über die Altersstufen nicht nachweisbar. Demnach deutet der Befund eher auf einen bereits früh vorhandenen Unterschied als auf ein später besonders verlangsamtes Kopfwachstum hin.
Wie aussagekräftig ist der Kopfumfang für die Gehirngröße? Um das zu prüfen, wertete das Team zusätzlich Magnetresonanztomografien von 347 jungen Erwachsenen aus der Kohorte aus. Der Kopfumfang in der Kindheit korrelierte mit dem im Alter von 20 Jahren gemessenen Schädelinnenvolumen. Dieser Zusammenhang war mit sieben und 15 Jahren stärker als unmittelbar nach der Geburt.
Doch ein kleinerer Kopf muss nicht bedeuten, dass ausschließlich das Gehirn anders gewachsen ist. Als die Wissenschaftler in den statistischen Modellen auch die Körpergröße zu den jeweiligen Messzeitpunkten berücksichtigten, schrumpfte die Differenz beim Kopfumfang auf 0,05 Zentimeter. Der verbleibende Unterschied war statistisch nicht signifikant. Auch weitere Angaben zu Schwangerschaft und Mutter konnten den ursprünglichen Befund teilweise abschwächen.
Das spricht dafür, dass die Auffälligkeit beim Kopfumfang mit allgemeinen Unterschieden des Körperwachstums zusammenhängen könnte. Was dahintersteckt, ist weiterhin unklar. Denkbar sind Faktoren, die schon vor der Geburt die Entwicklung von Körper und Gehirn beeinflussen. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Kopfumfang eines Kindes und späteren psychotischen Beschwerden lässt sich aus der Beobachtungsstudie jedoch nicht ableiten.
Ein überraschender Gegensatz zeigte sich bei Jugendlichen mit einzelnen psychotischen Erfahrungen, die nicht zwangsläufig eine psychotische Störung bedeuten. Mädchen aus dieser Gruppe hatten im Durchschnitt