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Quad9: DNS-Dienst zieht sich aus Frankreich zurück
von Carsten Knobloch
23. Okt. 2026 |
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Der gemeinnützige DNS-Anbieter Quad9 zieht die Reißleine und stellt seinen Dienst für Nutzer in Frankreich zum 24. November 2026 ein. Grund dafür ist ein Gerichtsurteil zugunsten des Rechteinhabers beIN Sports, das den DNS-Resolver dazu verpflichten will, bestimmte Domains auf DNS-Ebene zu sperren. Für Quad9 steht dieser Schritt im direkten Widerspruch zu den eigenen Grundsätzen, weshalb man lieber den gesamten Betrieb im Land kappt, als zensierte Filterlisten einzupflegen.
Hintergrund ist ein Rechtsstreit um illegale Sportübertragungen. Französische Gerichte hatten entschieden, dass auch neutrale, rekursive DNS-Dienste wie Quad9 zur Blockade von Piraterie-Websites herangezogen werden können. Bei Nichtbefolgung drohten dem Anbieter empfindliche Geldstrafen. Zwar wurde die finanzielle Strafe in weiteren Verhandlungen reduziert, die grundsätzliche Blockadepflicht blieb jedoch bestehen. Quad9 will zwar Rechtsmittel einlegen, muss den Dienst vor Ort aber vorerst abschalten, um rechtliche und finanzielle Risiken abzuwenden.
John Todd, CTO von Quad9, hat die Beweggründe der Organisation in einem Statement noch einmal verdeutlicht. Das Kernproblem liege nicht allein darin, dass GeoIP-Blockaden technisch unzureichend seien, sondern dass die DNS-Ebene schlicht der falsche Ort für solche Eingriffe ist. Werde eine solche DNS-Zensur einmal für Urheberrechtsfragen akzeptiert, öffne das Tür und Tor für immer weitere Sperrforderungen aus moralischen, religiösen oder politischen Motiven.
Anstatt den eigenen DNS-Dienst für Nutzer in Frankreich künstlich zu fragmentieren und einzelne Domains herauszufiltern, wird Quad9 nach dem 24. November französische IP-Adressen voraussichtlich komplett per GeoIP aussperren.