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Kraftstoffknappheit: Schweiz bereitet Tempo 80 auf Autobahnen vor
Diesel und Kerosin sind in der Schweiz knapp. Der Bund gibt Pflichtlager frei und prüft eine Temporeduktion auf Autobahnen. Ob das so kommt, ist aber fraglich.
In der Schweiz wird der Kraftstoff knapp, und die Behörden spielen bereits Notmaßnahmen für den Straßenverkehr durch. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) hat eine verwaltungsinterne Ämterkonsultation zu Temporeduktionen auf Autobahnen bestätigt. Diskutiert wird eine Senkung der Höchstgeschwindigkeit von 120 auf 80 km/h. Parallel dazu hat der Bund Diesel und das chemisch verwandte Flugpetrol, wie Kerosin in der Schweiz heißt, aus den staatlich vorgeschriebenen Pflichtlagern freigegeben.
Gegenüber dem Portal Nau.ch ordnete BWL-Sprecher Thomas Grünwald die Temporeduktion als eine der Maßnahmen ein, die für eine schwere Mangellage vorbereitet werden. Sie könnte die laufenden Lagerbezüge begleiten und zusätzlich Treibstoff sparen. Auf seiner Übersicht zur Versorgungslage bezeichnet das Amt die Energieversorgung grundsätzlich als gesichert. Bei allen Mineralölprodukten sei die Lage jedoch angespannt und fragil, bei Diesel sehr angespannt. Die Versorgung mit Benzin und Heizöl sei sichergestellt.
Die Engpässe haben verschiedene Gründe. Der Lagebericht der Wirtschaftlichen Landesversorgung vom 21. Oktober nennt rekordtiefe Pegel am Rhein, über den derzeit faktisch kein Mineralöl in die Schweiz gelangt. Hinzu kamen ein ungeplanter, zweiwöchiger Stillstand der Raffinerie Cressier im September, Raffineriewartungen in Europa, eine robuste Nachfrage und eine überlastete Bahnlogistik. Cressier produziert inzwischen wieder normal. Starke Regenfälle in Südfrankreich verzögerten zuletzt das Umladen von Rohöl und Fertigprodukten für den Pipeline-Transport. Global belasten die eingeschränkte Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie Huthi-Angriffe auf Schiffe im Bab al-Mandab und auf saudische Öleinrichtungen die Lieferketten.
Der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, hat deshalb vom 23. Oktober bis 22. November Bezüge von bis zu 45.000 Kubikmetern Diesel aus den Pflichtlagern bewilligt, knapp vier Prozent des vorhandenen Bestands. Gemessen am Inlandsabsatz von rund 2,6 Millionen Tonnen Diesel im Jahr 2025 entspricht das grob dem landesweiten Verbrauch von fünf Tagen. Die Menge soll fehlende Importe ergänzen, nicht ersetzen. Billiger wird der Sprit dadurch nicht: Auch Pflichtlagerware wird zu Marktpreisen verkauft, auf die Preisentwicklung hat das BWL keinen Einfluss.
Kritischer ist die Lage beim Flugpetrol. Vom 15. Oktober bis einschließlich 1. November dürfen bis zu 30.000 Kubikmeter aus den Pflichtlagern bezogen werden, 6,5 Prozent des Bestands. Begründet hat der Bund das mit Ausfällen und Verspätungen im internationalen Schienengüterverkehr, vor allem auf den Zulaufstrecken aus Deutschland. Weil wegen des Niedrigwassers ohnehin zusätzliche Güter auf die Schiene verlagert wurden, ließen sich ausgefallene Lieferungen nicht rechtzeitig nachholen. Die Bestände am Flughafen Zürich hätten ohne Lagerbezug nicht gereicht. Bei einem Tagesverbrauch des Flughafens von rund 4000 Kubikmetern, den das BWL laut 20 Minuten nannte, deckt die Freigabe rechnerisch etwa siebeneinhalb Tage.
Der Flughafen selbst meldete keine Einschränkungen beim Betanken. Die Flugpetrol-Pflichtlager reichen derzeit allerdings nur für rund 76 statt der vorgeschriebenen 90 Tage. Das BWL erklärt die Lücke mit dem starken Nachfrageanstieg nach der Pandemie, dem der Lageraufbau nur verzögert folgt. Sollte die Unterversorgung länger anhalten, wären Flugplananpassungen und höhere Ticketpreise denkbar; eingetreten ist beides bislang nicht.
Feste Schwellenwerte, ab denen aus der angespannten Lage eine Mangellage wird, nennt das BWL nicht. Eingreifen soll der Staat erst, wenn die Wirtschaft eine Störung nicht mehr selbst bewältigen kann. Die vorgesehene Eskalation beginnt mit Sparappellen und dem Aufruf, auf Bus und Bahn umzusteigen. Temporeduktionen auf Autobahnen und Autos