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Zahnfunde enthüllen ungewöhnlichen Totenkult der Maya-Elite
Spur der Ahnen: In einer Höhle in Belize lagen 226 menschliche Zähne bei den Überresten einer Frau. Genetische Untersuchungen zeigen nun, dass 24 der dort identifizierten Menschen auch in den Elitegräbern einer 26,5 Kilometer entfernten Maya-Siedlung vertreten waren. Der Fund deutet auf einen aufwendigen Totenkult hin, der Familiengeschichte und heilige Orte miteinander verband.
Cambridge (U.S.A.). Die klassischen Maya begruben ihre Toten häufig direkt unter den Böden ihrer Wohnhäuser. Dadurch blieben verstorbene Verwandte auch nach dem Tod räumlich Teil der Familie und konnten die Ansprüche ihrer Nachkommen auf Rang und Besitz symbolisch stützen. Besonders für einflussreiche Familien spielte die Abstammung von angesehenen Vorfahren eine politische Rolle.
Doch nicht alle Überreste blieben an ihrem ursprünglichen Bestattungsort. Einzelne Knochen und Zähne wurden auch in Höhlen niedergelegt, die im Weltbild der Maya als Zugänge zur Unterwelt galten. Bisher war oft unklar, ob solche Funde zu Angehörigen bestimmter Familien gehörten oder welche Beziehung zwischen weit getrennten Grabstätten bestand.
Forscher der Harvard University um Dr. Esther S. Brielle haben nun die Erbsubstanz aus alten Maya-Zähnen und Knochen untersucht. Von 487 Proben lieferten 430 genügend genetische Daten für eine erste Auswertung. Die Untersuchung liegt bislang als noch nicht fachbegutachteter Forschungs-Preprint vor.
Besonders auffällig waren die Verbindungen zwischen dem Elitezentrum Muklebal Tzul und der 26,5 Kilometer entfernten Bats’ub-Höhle. Für 24 Menschen fanden sich Zähne sowohl in einem Familiengrab unter einem Wohnhaus als auch in der Höhle jenseits der Maya-Berge. Unter den 30 dort genetisch ausreichend erfassten Personen waren damit 24 auch im weit entfernten Elitegrab nachweisbar.
Die genetischen Übereinstimmungen betreffen also nicht bloß entfernte Verwandte, sondern Überreste derselben Menschen. In einer zweiten Höhle fand sich zudem Zahnmaterial einer weiteren Person aus dem Elitegrab. Damit zeichnet sich eine gezielte Verteilung menschlicher Überreste auf unterschiedliche Bestattungsorte ab.
Den Mittelpunkt des Höhlenfundes bildet das Grab einer Frau, deren Überreste in die Zeit zwischen 250 und 402 nach Christus datiert wurden. Ihr Kopf fehlte, an seiner Stelle lag ein Teil eines Gefäßes mit einer Jadeperle. Nahe ihrem Becken fanden sich außerdem eine Schale mit Kakaosamen und zahlreiche Zähne, insgesamt waren es im Grabkontext 226.
Die DNA zeigt, dass die Frau mit mehreren Menschen der entfernten Elitegräber verwandt war, allerdings nur über größere genealogische Abstände. Sie könnte deshalb als verehrte Ahnin gegolten haben, zu deren Grab nachfolgende Generationen Zahnopfer brachten. Auch die Datierungen sprechen eher für wiederholte Rituale über Jahrhunderte als für eine einzige gemeinsame Bestattung.
Ganz geradlinig ist die Abfolge allerdings nicht: Einige verstreute Zähne sind sogar älter als das Frauengrab und lagen abseits der großen Zahnhaufen. Andere Zahnfunde stammen dagegen aus deutlich späteren Jahrhunderten. Der genaue Ablauf der Niederlegungen lässt sich deshalb nur näherungsweise rekonstruieren.
Die Analysen ermöglichten es zudem, drei Familienlinien über vier, sechs und acht Generationen zurückzuverfolgen. Zwei davon gehörten zu den gesellschaftlich führenden Familien von Muklebal Tzul. Unter 89 genetisch identifizierten Menschen aus deren Elitegräbern fanden sich 25 mit Überresten an einem zweiten, entfernten Höhlenort.