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Das Mittelmeerklima wird zunehmend tropisch
Das Mittelmeer wird immer wärmer und erreicht inzwischen Wassertemperaturen, wie sie auch aus tropischen Gewässern bekannt sind. Im August 2026 registrierte eine Messboje vor Mallorca 33,02 Grad Celsius. Zusammen mit Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation deutet die Erwärmung auf tropenähnliche Entwicklungen hin, ohne dass das Mittelmeerklima bereits tropisch wäre.
Barcelona (Spanien). Der Mittelmeerraum gehört zu den Regionen, die sich besonders rasch erwärmen. Nach Angaben der Union für den Mittelmeerraum steigen die Lufttemperaturen hier etwa 20 Prozent schneller als im globalen Mittel. Die zunehmende Wärme verkürzt die Winter und verlängert die Sommer, während sich Frühling und Herbst zeitlich verschieben.
Die Region zählt deshalb aber noch nicht zu den Tropen. Dafür müsste beispielsweise die Durchschnittstemperatur des kältesten Monats mindestens 18 Grad Celsius erreichen, was auf der Iberischen Halbinsel und den Balearen nicht der Fall ist. Der Begriff Tropisierung beschreibt vielmehr, dass einzelne klimatische Eigenschaften tropischen Verhältnissen zunehmend ähneln.
Der Klimatologe Javier Martín Vide von der Universitat de Barcelona (UB) verweist auf die steigenden Temperaturen des Mittelmeers, die nicht nur dessen Oberfläche betreffen. Die Erwärmung lässt sich auch in Wasserschichten bis etwa 100 Meter Tiefe beobachten. Dadurch kann der Ozean mehr Wärme speichern, die bei geeigneten Wetterlagen an die Atmosphäre abgegeben wird.
Ein besonders auffälliger Wert stammt aus dem Sommer 2026. Die Messboje Dragonera vor Mallorca registrierte am 5. August 33,02 Grad Celsius, den bislang höchsten Wert im Messnetz der spanischen Hafenbehörde Puertos del Estado. Mehrere weitere Bojen im westlichen Mittelmeer meldeten in diesem Sommer ebenfalls neue Stationsrekorde.
Auch langfristig ist die Erwärmung deutlich. Ein wissenschaftlicher Mittelmeer-Klimabericht beschreibt seit den 1980er-Jahren regional unterschiedliche Anstiege der Meeresoberflächentemperatur von rund 0,29 bis 0,44 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Solche längerfristigen Trends erlauben eine verlässlichere Klimaeinordnung als ein einzelner Rekordtag.
Parallel zur Meereserwärmung verändern sich offenbar die großräumigen Luftströmungen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hadley-Zelle, eine atmosphärische Zirkulation mit aufsteigender Luft in Äquatornähe und absinkender Luft in den Subtropen. Deren absinkender Zweig begünstigt stabile, trockene Hochdruckgebiete.
Unterschiedliche Beobachtungsreihen deuten auf eine Ausdehnung dieser tropischen Zirkulation in höhere geografische Breiten hin. Dadurch könnten subtropische Hochdrucklagen im Mittelmeerraum an Einfluss gewinnen und längere Trockenphasen begünstigen. Wie groß die Ausdehnung tatsächlich ist, bleibt allerdings unsicher, weil Beobachtungen und Modelle je nach Auswertungsmethode deutlich voneinander abweichen.
Wärmeres Meerwasser kann bei geeigneten Bedingungen mehr Wasserdampf an die Atmosphäre abgeben. Wird die feuchte Luft zum Aufsteigen gebracht, etwa durch eine Kaltluftzufuhr oder an Gebirgen, können intensive Regenfälle entstehen. Die Wärme liefert dafür eine wichtige Voraussetzung, löst solche Unwetter aber nicht allein aus.
Wie unterschiedlich die atmosphärischen Auslöser sein können, zeigt eine ältere Untersuchung aus Nordostspanien. Sie wertete 304 Starkregentage zwischen 1950 und 2005 aus, an denen mindestens eine Messstation mehr als 100 Millimeter Niederschlag registrierte. Die Analyse identifizierte sieben typische Luftdruckmuster und verdeutlicht damit die Vielfalt möglicher Wetterlagen.