// COMPUTERBASE — MODA & SOCIETÀ
Für KI-Systeme der Zukunft: Marvell kauft Lumentum für 115 Mrd. Dollar
Zumindest auf dem Papier ist es einer der größten Deals der IT-Branche. Der Halbleiterriese Marvell investiert 115 Milliarden US-Dollar in Aktien zur Übernahme des vergleichsweise jungen Unternehmens Lumentum, das sich auf optoelektronische Komponenten spezialisiert hat. KI-Lösungen der nächsten Generation geben den Anstoß.
Der KI-Boom treibt die technische Entwicklung in vielen Branchen rasch voran. Kein Wunder, bei nahezu ungebremster Nachfrage und hohen Gewinnen sitzen auch die Brieftaschen für Investitionen besonders locker. Auch der Bereich Photonik wird regelrecht belebt. Die Leistung der KI-Rechenzentren und der dort verbauten KI-Beschleuniger kann gar nicht hoch genug sein. Herkömmliche Kupferleitungen stoßen so rasch an ihre Grenzen.
Das Heil für noch schnellere Verbindungen zwischen den Komponenten wird daher bei der Optoelektronik gesucht. Dabei werden die elektronisch erzeugten Daten in Lichtemissionen (Photonen) umgewandelt und letztlich im wahrsten Sinne des Wortes mit Lichtgeschwindigkeit übertragen. Allerdings wird die Leistung durch Limitierungen beim Senden und Empfangen noch gebremst. Der Begriff „Silicon Photonics“ wird für Halbleiterlösungen mit optischer Übertragungstechnik ebenfalls genutzt.
Der US-Konzern Marvell, der sich seit etwa drei Jahrzehnten mit der Entwicklung von Halbleiterprodukten rund um Kommunikation und Storage befasst, will sich durch die Fusion mit Lumentum für die Zukunft rüsten. Im Visier stehen KI-Systeme der nächsten Generation, die eben auch auf Photonik setzen werden.
Lumentum wurde erst im Jahr 2015 mit Hauptsitz in Kalifornien gegründet und entwickelt seither optoelektronische Komponenten für die Industrie, den Bereich Telekommunikation sowie Rechenzentren. Lumentums optische Transceiver und Hochleistungslaser sollen im Verbund mit Marvells Portfolio beide Unternehmen zum „führenden Unternehmen im Bereich KI-Konnektivität“ machen, so lautet zumindest der Plan.
Die Dimensionen des Deals spiegeln das erwartete Potenzial dieser Partnerschaft wider. Dabei handelt es sich um eine reine Aktientransaktion, denn pro Lumentum-Stammaktie sollen 4,5 Marvell-Stammaktien „gezahlt“ werden. Auf Basis der Schlusskurse vom 28. Oktober 2026 soll dies rund 1.132 US-Dollar pro Lumentum-Aktie plus einem Aufschlag von rund 23,9 Prozent entsprechen. Insgesamt sind dies etwa 115 Milliarden US-Dollar. Dagegen wirkt die Übernahme von EMC durch Dell für 67 Milliarden US-Dollar schon fast wieder klein.