// EUROGAMER.DE — GAMING
Queen’s Domain ist wie ein FromSoftware-Spiel für die PS1 – nur mit einem genialen Kniff
Es beginnt als Liebeserklärung an King’s Field. Dann bekommt ihr ein magisches Schwert – und plötzlich wird aus dem Dungeon-Crawler ein Metroidvania.
Man muss Queen’s Domain nicht einmal gespielt haben, um zu ahnen, welcher Klassiker hier Pate stand. Schon der Name erinnert verdächtig an King’s Field, jene Rollenspielreihe, mit der FromSoftware lange vor Dark Souls die PlayStation unsicher machte.
1994 veröffentlichte FromSoftware mit King’s Field sein erstes Videospiel und nahm damit vieles vorweg, was später die Souls-Spiele auszeichnen sollte: fordernde Kämpfe, eine geheimnisvolle Spielwelt und das legendäre Moonlight Sword.
Die spielerische Verwandtschaft ist ebenso offensichtlich: Ego-Perspektive, verwinkelte Dungeons, behäbige Kämpfe und eine Spielwelt, in der ihr euch ohne Questmarker und andere Orientierungshilfen zurechtfinden müsst. In der ersten halben Stunde sieht deshalb alles nach einer weiteren nostalgischen Verbeugung vor FromSoftwares Frühwerk aus. Doch kaum habt ihr euch mit dem gemächlichen Tempo abgefunden, bekommt ihr ein magisches Schwert in die Hand gedrückt. Und plötzlich gelten ganz neue Spielregeln.
Zur Story: In Queen’s Domain schlüpft ihr in die Rolle eines Prinzen, der seinen verschollenen Vater sucht. Doch schon die Anreise endet im Desaster: Ihr erleidet Schiffbruch und strandet auf einer Insel, die bereits weitaus besser ausgerüsteten Abenteurern das Leben gekostet hat.
Spielerisch bleibt Queen’s Domain zunächst ganz der alten Schule verpflichtet. Die Kämpfe sind behäbig und verlangen vor allem Geduld und gutes Timing. Denn je voller eure Ausdauerleiste ist, desto mehr Schaden verursachen eure Angriffe.
Hinzu kommt die Wahl der richtigen Waffe, denn eure Widersacher reagieren unterschiedlich empfindlich auf Hieb-, Stich- und Wuchtschaden. Einem Skelett beispielsweise könnt ihr mit einem Knüppel deutlich mehr anhaben als mit einer scharfen Klinge. Schließlich gibt es an so einem Knochenmann nicht mehr sonderlich viel Fleisch zu filetieren.
Bis hierhin bietet Queen’s Domain für King’s-Field-Veteranen keine echten Überraschungen. Doch sobald der erste Boss liegt und ihr das magische Schwert Endu in Händen haltet, schaltet das Spiel einen Gang hoch. Mit der Klinge knipst ihr nämlich nicht nur Monstern das Licht aus, sondern vollführt auch einen Luft-Dash. Unerreichbare Plattformen, tiefe Abgründe, versperrte Pfade? Auf einmal alles kein Problem mehr.
Das ist aber erst der Anfang. Überall in der Welt versteckte Wind Gems gewähren euch weitere Dashes, die ihr aneinanderketten könnt, ohne auch nur einmal den Boden zu berühren. So öffnen sich immer mehr Wege in der verschachtelten Welt und der behäbige Dungeon-Crawler wandelt sich nach und nach in ein dynamisches Metroidvania – ohne dabei seine King’s-Field-DNA zu verlieren.
Plötzlich verwandelt sich die Welt in einen Spielplatz für Entdecker. Ob der Vorsprung hinter der Mauer erklimmbar ist oder die abgelegene Insel mit dem dritten Gem erreichbar wird, verrät euch kein Questsymbol – sondern nur der mutige Sprung ins Ungewisse.