// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Weihnachtsgeschäft: Kinderwünsche und Händlerträume
Weihnachtszeit ist Umsatzzeit: Trotz Krisenstimmung zeigt sich der Einzelhandel zuversichtlich. Doch wo Kinder ins Träumen geraten, ist die Stimmung der Händler angespannt.
Liebe geht durch den Geldbeutel. Zumindest legt das der Blick auf die Zahlen des deutschen Einzelhandels nahe: Weihnachten spült den Geschäften über das Jahr hinweg am meisten Geld in die Kassen, die Monate November und Dezember allein bringen bis zu 20 Prozent des gesamten Jahresumsatzes. In den Chefetagen herrscht deshalb Anspannung - entscheidet doch spätestens die Adventszeit darüber, ob das Geschäftsjahr von Gewinn gekrönt oder mit Verlust abgeschrieben werden muss.
Dass daran das Schicksal von Unternehmen hängen kann, bekam der Spielwarenhändler ROFU Kinderland aus dem rheinland-pfälzischen Hoppstädten-Weiersbach zu spüren. Seit mehr als 40 Jahren verkauft die Firma Spielwaren. Mit Filialen in sechs Bundesländern hatte sich ROFU nach eigenen Angaben zu einem der führenden Spielwarenhändler im Südwesten Deutschlands hochgearbeitet.
Die Gründe sind häufig: keine Nachfolger, fehlendes Geld für Investitionen und der Onlinehandel.
mehr
Im Januar dann beantragte ROFU Insolvenz. Dazu führten dem Unternehmen zufolge neben gestiegenen Kosten und Kaufzurückhaltung der Kundschaft eben auch ein schwaches Weihnachtsgeschäft. Zwar wurde ein Investor gefunden; dennoch schlossen 27 Filialen, und mehr als 600 Mitarbeitende verloren ihre Stelle.
Nachdem das Unternehmen im Juli seine Sanierung in Eigenverwaltung abgeschlossen und alle Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt haben, hat ROFU in diesen Tagen bereits wieder bisherige Filialen eröffnet - mit überarbeitetem Konzept und Angebot. Ausverkauf, Umbau und Neueröffnung rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft etwa in Heilbronn, Neunkirchen oder Heppenheim.
Historische Pleitewelle: Im deutschen Einzelhandel gab es binnen eines Jahres knapp 2.500 Insolvenzen.
mehr
Dieser Neustart muss sitzen. Dass das gelingt, dafür spricht die neue Geschäftsleitung: Mit Achim Weniger ist ein Branchenkenner an Bord. Er war 40 Jahre lang in der Spielwarenhandels-Organisation VEDES, zuletzt in deren Vorstand, lenkte Einkauf, Logistik, Marketing und Vertrieb für die Einkaufsgenossenschaft der etwa 800 Spielwaren-Einzelhändler.
"Unser Fokus liegt auf der Zukunft und dem Neustart. Wir verändern interne Prozesse und stellen das Unternehmen neu auf, um langfristig erfolgreich zu sein", sagt Weniger. "Natürlich hoffen wir, dass in diesem Jahr wieder etwas mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgegeben wird."
Mit dem Deal sind zwei der bekanntesten Spielwarenhersteller in Deutschland künftig eng verflochten.
mehr