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Kann Spieltheorie helfen, Alien-Signale zum richtigen Zeitpunkt zu finden?
Kosmischer Treffpunkt: Eine spieltheoretische Idee soll helfen, mögliche Funksignale außerirdischer Zivilisationen gezielter zu suchen. Statt einzelne Sterne abzusuchen, lauscht ein Radioteleskop immer dort, wo sich Sonne und Erde aus Sicht eines entfernten Senders aufreihen könnten. Ein erster Test lieferte noch kein außerirdisches Signal, aber wichtige Daten für die laufende Großsuche.
Mountain View (U.S.A.). Die Suche nach Signalen fremder Technik gleicht der Suche nach einer Nadel in einem kosmischen Heuhaufen. Selbst wenn eine Zivilisation die Erde absichtlich anfunken wollte, blieben Ort, Frequenz und Sendezeit eines möglichen Signals unbekannt.
Eine neue Beobachtungsstrategie setzt deshalb nicht bei einem bestimmten Stern an, sondern bei einer für beide Seiten erkennbaren Himmelsstellung. Die Idee dahinter: Wenn Sender und Empfänger denselben astronomischen Zeitpunkt als günstig erkennen, könnten sie sich gewissermaßen ohne vorherige Verabredung finden.
Forscher des SETI Institute um Dr. Sofia Z. Sheikh haben für diesen Ansatz einen Begriff aus der Spieltheorie aufgegriffen: den Schelling-Punkt. Das ist eine naheliegende Wahl, auf die sich voneinander getrennte Partner auch ohne Absprache einigen könnten. Bei ihrer Suche konzentrieren sie sich auf den antisolaren Punkt, die Stelle am Himmel genau gegenüber der Sonne.
Dort könnte eine ferne Zivilisation stehen, aus deren Perspektive die Erde gerade vor der Sonne vorbeizieht. Beim Mittelpunkt dieses Transits läge die Erde auf der Verbindungslinie zwischen Sender und Sonne. Die Ausrichtung wäre für beide Seiten theoretisch berechenbar, wenn auch die Lichtlaufzeit berücksichtigt werden müsste.
„Die Herausforderung bei SETI besteht nicht einfach darin, zu entscheiden, wohin man ein Teleskop richtet. Es geht darum herauszufinden, wo und wann eine andere Zivilisation senden könnte. Der antisolare Punkt bietet uns die Möglichkeit, dieses Problem aus der Sicht eines möglichen Senders zu betrachten und nicht nur aus der des Empfängers“, erklärt Dr. Sofia Z. Sheikh.
Die Idee wird mit dem Allen Telescope Array (ATA) in Nordkalifornien getestet, einem Verbund aus 42 Radioantennen. Das Teleskop folgt dem wandernden Gegenpunkt der Sonne und sucht gezielt nach schmalbandigen Funksignalen, deren Frequenz sich durch Relativbewegungen geringfügig verändern kann. Solche Signale wären technisch interessant, sind allein aber noch kein Beleg für eine fremde Herkunft.
Dazu richtet die Anlage zwei eng gebündelte Empfangsrichtungen auf benachbarte Himmelsbereiche. Tritt ein Signal ähnlich stark in beiden auf, spricht das eher für Störungen durch irdische Funkquellen oder Satelliten. Eine eigens angepasste Software sortiert Millionen Kandidaten vor und markiert ungewöhnliche Muster für eine manuelle Kontrolle.
„Die jüngste Entwicklung des Systems Allen Telescope Survey Agnostic Technosignature (ATSAT), der effizienten SETI-Software zur Suche nach schmalbandigen Funksignalen mit sich verändernder Frequenz, hat das Auffinden und Analysieren möglicher Technosignaturen in großen Radiodatensätzen wie denen der ASP-Durchmusterung sehr effektiv gemacht“, erklärt Isabel Gerrard von der University of Oxford.
Der erste Praxistest fand im Sommer 2023 über drei Nächte statt. Mit 20 Antennen entstanden in rund 17 Beobachtungsstunden etwa 32 Terabyte Messdaten, aus denen die Auswertung zunächst 1,9 Millionen schmalbandige Treffer herausfilterte.