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Schlangensterne lebten vor 9,5 Millionen Jahren wohl an einem Walkadaver
Spuren einer uralten Nahrungsoase: Winzige Skelettplättchen neben fossilen Walknochen liefern einen ungewöhnlichen Hinweis auf das Leben am Meeresgrund vor 9,5 Millionen Jahren. Nur Proben unmittelbar beim Skelett enthielten Reste einer neu beschriebenen Schlangenstern-Art. Dies könnte der erste fossile Nachweis dafür sein, dass sich diese Tiere schon damals an versunkenen Walkadavern sammelten.
Luxemburg (Luxemburg). Sinkt ein toter Wal auf den Meeresgrund, wird sein Körper zur konzentrierten Nahrungsquelle für zahlreiche Meeresbewohner. Heute sammeln sich daran auch Schlangensterne, Verwandte der Seesterne mit fünf beweglichen Armen und einer kleinen Körperscheibe.
Ob solche Ansammlungen schon vor Millionen Jahren entstanden, lässt sich allerdings nur schwer belegen. Denn der Körper eines Schlangensterns zerfällt nach dem Tod meist in winzige Kalkplättchen, die sich im Meeresboden verteilen und dort als einzelne Fossilien erhalten bleiben können.
Forscher des Nationalmuseums für Naturgeschichte (MNHNL) in Luxemburg um Dr. Ben Thuy haben nun Sedimentproben aus der Tongrube von Gram im Süden Dänemarks untersucht. Sie stammen aus einer Grabung von 2018, bei der der Unterkiefer und mehrere Wirbel eines fossilen Schnabelwals geborgen wurden. Die Ablagerungen der Gram-Formation sind rund 9,5 Millionen Jahre alt.
Das Team hat die Sedimente getrocknet, gewaschen und ausgesiebt und die winzigen Fossilien anschließend unter dem Mikroskop herausgesucht. Einige der Skelettplättchen wurden zusätzlich im Rasterelektronenmikroskop untersucht. Ihre besonderen Oberflächen- und Gelenkstrukturen ermöglichten die Beschreibung einer bisher unbekannten Art namens Ophiura huebnerjenseni.
Entscheidend war aber der Fundort: Nur drei der fünf rund um die Walknochen genommenen Proben enthielten Plättchen dieser Schlangensterne. In weiter entfernten Proben derselben Schicht und in einer Vergleichsprobe aus der Nähe von fossilem Holz fanden sich dagegen keine entsprechenden Reste.
Die Häufung könnte zunächst auch anders entstanden sein. Vielleicht wurden die winzigen Plättchen durch Strömungen zwischen den Walknochen abgelagert oder an dieser Stelle besonders gut vor der Auflösung bewahrt.
Doch eine Vergleichsgruppe spricht gegen diese Erklärungen als alleinige Ursache: Fragmente fossiler Seeigel kamen in sämtlichen untersuchten Proben vor. Sie besitzen eine ähnliche Größe und Mineralzusammensetzung wie die Schlangensternplättchen. Wären allein die Bedingungen der Erhaltung ausschlaggebend, wäre dieser Unterschied schwerer zu erklären.
Die wahrscheinlichere Deutung lautet daher, dass die Schlangensterne zu Lebzeiten auf dem Walkadaver oder unmittelbar daneben lebten. Ihr gehäuftes Vorkommen deutet darauf hin, dass der tote Wal auch im vergleichsweise flachen Meer des Miozäns Tiere aus seiner Umgebung anzog.
An versunkenen Walen bilden Schlangensterne auch heute mitunter dichte Ansammlungen. Für ihre Beteiligung an solchen Gemeinschaften fehlte bislang jedoch ein entsprechender fossiler Nachweis. Die Funde aus Gram könnten diese Lücke nun erstmals schließen.