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Röntgenscan knackt Code eines 400 Jahre alten Schlosses
Ein Messingschloss aus einem im Jahr 1583 gesunkenen Handelsschiff hat sein Geheimnis preisgegeben. Mithilfe einer hochauflösenden Computertomografie ließ sich die vierbuchstabige Kombination ANCE ermitteln und der Verschluss ohne Beschädigung öffnen. Welche Gegenstände das Schloss einst schützte und ob der Code für seinen Besitzer eine besondere Bedeutung hatte, bleibt allerdings ungeklärt.
Cardiff (Wales). Als die Ann Francis am 28. Dezember 1583 auf dem Rückweg aus Spanien in einen Sturm geriet, strandete das Handelsschiff am Margam Beach nahe Port Talbot. Teile der Ladung verschwanden unter dem Sand und kamen erst Jahrhunderte später durch Stürme, Ausbaggerungen und die Suche mit Metalldetektoren allmählich wieder zum Vorschein.
Unter den Funden befand sich ein Messingschloss mit drehbaren Buchstabenringen, das über Jahrhunderte verschlossen geblieben war. Es lag in der Nähe spanischer Silbermünzen und zweier Münzgewichte, weshalb es möglicherweise eine kleine Truhe mit Geld, Dokumenten oder anderen Wertsachen sicherte.
Um das empfindliche Fundstück nicht aufzubrechen, haben Fachleute des Museums Amgueddfa Cymru (Museum Wales) gemeinsam mit Dr. David Williams von der Cardiff University eine Mikro-Computertomografie (Mikro-CT) eingesetzt. Die Röntgentechnik erzeugt hochauflösende dreidimensionale Bilder des Inneren, ohne dass dafür das Schloss zerlegt werden muss.
„Mit der Mikro-CT konnten wir in das Schloss hineinschauen, ohne es zu beschädigen“, erklärt Dr. David Williams.
Auf den Aufnahmen konnte Williams erkennen, wie Einkerbungen im inneren Mechanismus mit den Buchstaben der drehbaren Ringe zusammenpassen. Daraus ergab sich die Kombination ANCE, die das Museum anschließend am Original ausprobierte und mit der sich das Schloss tatsächlich öffnen ließ.
Solche Mikro-CT-Verfahren werden an der Cardiff University normalerweise unter anderem zur Untersuchung von Knochen und anderen inneren Strukturen eingesetzt. An dem historischen Schloss machte das Verfahren nun einen Mechanismus sichtbar, dessen richtige Einstellung sich von außen nicht erkennen ließ.
Die Ann Francis hatte zuvor eine Ladung Getreide aus England nach Spanien gebracht und war mit der Bezahlung sowie weiteren Handelswaren auf der Heimreise. Zu den geborgenen Überresten zählen rund 870 Gold- und Silbermünzen, Schiffsgerät und persönliche Gegenstände, die Einblicke in den Seehandel jener Zeit geben.
Den größten Teil dieses Fundkomplexes entdeckte der Sondengänger Peter Hughes über einen Zeitraum von 21 Jahren zwischen 1996 und 2017. Obwohl das Schloss so lange im Sand gelegen hatte, waren seine beweglichen Teile auffallend gut erhalten.
„Als ich das Schloss fand, war ich sofort erstaunt über die außergewöhnliche handwerkliche Verarbeitung und seinen verblüffenden Zustand. Als ich die Buchstabenringe drehte, bewegten sie sich selbst nach mehr als 400 Jahren unter dem Sand ganz leicht, und ich konnte es kaum glauben. Ich erinnere mich auch daran, wie gespannt ich auf die wunderbaren Dinge war, die sich in der Schatztruhe befinden könnten, die es einst verschlossen hatte“, berichtet Peter Hughes.