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Brake-by-Wire made in China: Bosch baut in Abstatt 750 Jobs ab
Bosch baut bis Ende 2029 in Abstatt 750 Stellen im Bereich Vehicle Motion ab. Neue Bremstechnik wie Brake-by-Wire wird zunehmend mit Kunden in China entwickelt.
Je größer die Eingriffsmöglichkeiten der Fahrassistenz werden, desto attraktiver werden Lenk- und Bremssysteme mit Aktoren und Signalübertragung, im Jargon der Techniker als „Drive-by-Wire“ bezeichnet. (Bosch ADAS Symbolbild).
Bosch will am Entwicklungsstandort Abstatt im Landkreis Heilbronn bis Ende 2029 weitere 750 Stellen abbauen. Betroffen ist der Geschäftsbereich Vehicle Motion (VM) der Mobilitätssparte, der in Abstatt Bremssysteme, Software für Fahrzeugbewegungen, Insassenschutzsysteme und Fahrzeugsensorik entwickelt und vertreibt. Die Beschäftigten wurden am Dienstagabend informiert. Der Abbau soll nach Angaben des Unternehmens möglichst sozialverträglich erfolgen.
Bosch hat die Pläne gegenüber dem Südwestrundfunk in Heilbronn und dem Handelsblatt bestätigt. Als Gründe nennt der Konzern die schwierige Konjunktur, den Strukturwandel der Autoindustrie und den zunehmenden Wettbewerb bei Kosten, Entwicklungsgeschwindigkeit und Produktivität. Die weltweite Fahrzeugproduktion stagniere, die Nachfrage in Europa sei rückläufig, und vor allem asiatische Wettbewerber drückten mit günstigeren Angeboten auf die Preise.
Zum Teil betrifft das direkt die Technik, an der in Abstatt gearbeitet wird. Steer-by-Wire- und Brake-by-Wire-Lösungen für Lenkung und Bremse beispielsweise führt Bosch zunehmend zuerst mit chinesischen Kunden ein und entwickelt sie gemeinsam mit dem dortigen Bosch-Entwicklungsstandort. In Abstatt würden dadurch weniger Kapazitäten benötigt.
Bereichsfinanzvorstand Mohammed Abraham formulierte es knapp: „Kundennahe Aufgaben entfallen dadurch in Abstatt.“ Ziel sei es, den Standort „wettbewerbsfähig und wirtschaftlich tragfähig“ aufzustellen. „Um die Rolle von Abstatt langfristig zu sichern, müssen wir unsere Strukturen und Kosten anpassen.“ Zugleich geraten nach Bosch-Angaben auch moderne integrierte Bremssysteme stärker in den Preiswettbewerb, Kunden fragen verstärkt kosteneffizientere Lösungen nach.
Welche Teams, Produktlinien oder Tätigkeiten die 750 Stellen konkret umfassen und wie viele Stellen über Fluktuation, Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen wegfallen sollen, hat Bosch nicht mitgeteilt. Eine Vereinbarung mit Betriebsrat oder IG Metall speziell zu diesem Abbau ist bislang nicht bekannt. IG Metall und Gesamtbetriebsrat hatten 2023 für die Beschäftigten der Mobility-Sparte im Zuständigkeitsbereich des Gesamtbetriebsrats betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 ausgeschlossen – der Abbau in Abstatt reicht allerdings bis Ende 2029.
Am Standort arbeiten derzeit rund 5300 Menschen. Die Kürzung betrifft nur den Bereich Vehicle Motion; Cross-Domain Computing Solutions und die Tochter Bosch Engineering GmbH sind von dieser Runde nicht betroffen. Letztere hatte schon im Juli 2025 einen Abbau von weltweit bis zu 460 Stellen angekündigt, davon rund 380 in Abstatt und Holzkirchen. Abstatt soll laut Bosch Entwicklungsstandort bleiben. Welche Kompetenzen dort langfristig verbleiben, läßt das Unternehmen offen.
Die Maßnahme reiht sich in den Sparkurs der Mobilitätssparte ein. Im September 2025 hatte Bosch eine jährliche Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro festgestellt und den Abbau von zusätzlich etwa 13.000 Stellen angekündigt, vor allem an deutschen Standorten und mit Umsetzungsfristen bis Ende 2030. Neben Personalabbau nannte der Konzern vergangenes Jahr KI-gestützte Produktivitätsgewinne in Fertigung und Entwicklung, geringere Material- und Sachkosten sowie weniger Investitionen in Anlagen und Gebäude als Hebel, um die Lücke zu schließen. Zusammen mit den 750 Stellen in Abstatt summieren sich die seit 2024 angekündigten Stellenstreichungen in der deutschen Mobilitätssparte damit auf knapp 24.000.
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