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Chinas CO₂-Emissionen sinken trotz neuer Kohlekraftwerke
China baut weiter Kohlekraftwerke, doch sein energie- und industriebedingter CO₂-Ausstoß ist laut aktuellen Schätzungen deutlich gesunken. Im dritten Quartal 2026 lagen die Emissionen 3,1 Prozent unter dem Vorjahreswert, der stärkste Rückgang seit den Covid-Lockdowns von 2022. Dahinter stehen mehr Strom aus CO₂-armen Quellen, ein sinkender Ölverbrauch und eine schwächere Industrie.
Helsinki (Finnland). China verursacht mehr CO₂-Emissionen als jedes andere Land. Gleichzeitig wächst die Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen, sodass eine steigende Energienachfrage nicht zwangsläufig zu entsprechend mehr Kohleverstromung führen muss.
Ob die CO₂-Emissionen des Landes ihren Höchstwert schon überschritten haben, ist dennoch offen. Seit März 2024 zeigt die laufende Abschätzung bei den Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Zementproduktion eine stagnierende oder rückläufige Entwicklung. Der jüngste Rückgang fällt außerdem in eine Phase schwächerer Konjunktur und ungewöhnlich milden Wetters.
Für die aktuelle Analyse hat Lauri Myllyvirta, leitender Analyst des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA), amtliche Statistiken und kommerzielle Daten ausgewertet. Der Kohleverbrauch lag demnach im dritten Quartal 2026 um drei Prozent, der Ölverbrauch um vier Prozent unter den jeweiligen Vorjahreswerten. Über die ersten neun Monate ergibt sich bei den geschätzten CO₂-Emissionen ein Minus von 0,5 Prozent.
Besonders deutlich ist der Rückgang bei der Stromproduktion aus Kohle. Sie verringerte sich zwischen Juli und September um 3,3 Prozent, während die Erzeugung aus Solar-, Wind- und Kernkraftwerken zusammen um rund 110 Terawattstunden zunahm. Das war mehr als doppelt so viel wie der zusätzliche Strombedarf im selben Zeitraum.
Die chinesische Energiebehörde meldete für die ersten neun Monate des Jahres einen Kohleanteil an der Stromerzeugung von 49,1 Prozent. Trotzdem baut China weiterhin neue Kohlekraftwerke. Weil ihre Stromproduktion insgesamt sinkt, nimmt die durchschnittliche Auslastung der Anlagen ab.
Auch im Verkehr werden weniger fossile Brennstoffe verbraucht. Der Ölbedarf des Verkehrssektors sank im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent. Dazu tragen mehr Elektrofahrzeuge bei, deren Anteil an den Pkw-Verkäufen im September laut der Auswertung 67 Prozent erreichte.
Die Krise um die Straße von Hormus hat zugleich den internationalen Ölhandel gestört und die Nachfrage gedämpft. Eine ergänzende Analyse beziffert die durch Elektrofahrzeuge zwischen März und August 2026 rechnerisch ersetzte Ölmenge auf 38 Millionen Tonnen Öläquivalent. Das weist darauf hin, dass die Elektromobilität neben kurzfristigen Marktstörungen zunehmend zur Verringerung des Ölverbrauchs beiträgt.
Zur Entlastung der Emissionsbilanz trägt auch die schwache Bauwirtschaft bei. Die CO₂-Emissionen aus der Stahl- und Zementproduktion gingen weiter zurück, während das Wachstum der Kohlechemie nachließ. Diese Entwicklung lässt sich nicht allein mit dem Ausbau CO₂-armer Technologien erklären.
Die aktuelle Analyse stützt die Einschätzung, dass Chinas energie- und industriebedingte CO₂-Emissionen seit mehr als zwei Jahren stagnieren oder sinken. Es handelt sich allerdings um eine fortlaufend aktualisierte Datenabschätzung und nicht um eine fachbegutachtete wissenschaftliche Originalstudie. Ob sich daraus ein dauerhafter Emissionsrückgang entwickelt, bleibt offen.