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Mysteriöser Asteroid zeigt eine ungewöhnliche zusätzliche Beschleunigung
Zusatzschub ohne Schweif: Der rund elf Meter große Asteroid 1998 KY26 weicht von einer rein durch Schwerkraft bestimmten Bahn ab. Daher galt er als möglicher „dunkler Komet“, der unsichtbar Gas freisetzt. Neue Berechnungen lassen diese Erklärung jedoch unwahrscheinlich erscheinen: Selbst tief im Inneren dürfte es für dauerhaftes Wassereis zu warm sein.
Atlanta (U.S.A.). Manche kleinen Himmelskörper sehen wie gewöhnliche Asteroiden aus, doch ihre Bewegung verrät zusätzliche Kräfte. Sie werden nicht nur von der Schwerkraft der Sonne und der Planeten gelenkt. Auch Sonnenlicht und die Abstrahlung aufgenommener Wärme können ihre Flugbahn messbar verändern.
Bei 1998 KY26 fiel eine ungewöhnliche Beschleunigung quer zur Ebene seiner Umlaufbahn auf. Eine mögliche Erklärung war deshalb, dass im Asteroiden verborgenes Eis bei Sonneneinstrahlung verdampft und das entweichende Gas einen Rückstoß erzeugt. Solche Körper werden als dunkle Kometen bezeichnet, weil sie trotz vermuteter Ausgasung keinen sichtbaren Schweif zeigen.
Korbin Hansen und Masatoshi Hirabayashi vom Georgia Institute of Technology (Georgia Tech) haben nun untersucht, ob 1998 KY26 die dafür nötigen flüchtigen Stoffe überhaupt lange speichern könnte. Dazu nutzten sie ein thermophysikalisches Modell, das Sonnenbestrahlung, Wärmespeicherung und den Wärmetransport bis in den Kern berücksichtigt. Die Berechnung erfasste unterschiedliche Positionen des Asteroiden auf seiner Bahn um die Sonne.
Die Ausgangsdaten stammen aus früheren Beobachtungen: 1998 KY26 ist nach einer Neubestimmung etwa elf Meter groß und rotiert in nur 5,35 Minuten einmal um seine Achse. Wie viel Licht seine Oberfläche reflektiert und wie gut Wärme durch das Material geleitet wird, ist allerdings noch nicht genau bekannt. Deshalb prüften die Forscher insgesamt 13 Varianten der thermischen Eigenschaften und der Lage der Rotationsachse.
Das Resultat war in allen Varianten ähnlich. Die über einen Umlauf gemittelten Temperaturen lagen sowohl an der Oberfläche als auch im Inneren deutlich über der Grenze, unter der vergrabenes Wassereis langfristig stabil bleiben könnte. Als Vergleichswert dienten etwa 145 Kelvin, entsprechend minus 128 Grad Celsius.
Dem Modell zufolge würde Wasser unter den heutigen Bedingungen so schnell entweichen, dass größere Eisvorräte kaum erhalten bleiben könnten. Damit wird die Vorstellung fraglich, dass der zusätzliche Schub von 1998 KY26 durch anhaltende Verdampfung solchen Eises entsteht. Eine direkte Messung des Wasservorrats ist das allerdings nicht, sondern eine Berechnung auf Grundlage der derzeit bekannten Eigenschaften.
Die Untersuchung beschreibt zudem die heutige Bahn und die gegenwärtigen Wärmebedingungen. Wie lange der Himmelskörper dieser Sonneneinstrahlung bereits ausgesetzt ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Ein anderes Schicksal in seiner Vergangenheit oder geringe verbliebene Eisreste können daher nicht allein durch das Temperaturmodell vollständig ausgeschlossen werden.
Eine alternative Erklärung existiert bereits. In einer 2025 veröffentlichten Bahnanalyse ließ sich die beobachtete Abweichung durch den Druck des Sonnenlichts und den Rückstoß der vom Asteroiden abgestrahlten Wärme nachbilden. Ein unsichtbarer Gasausstoß war für dieses Modell nicht erforderlich.
Die beiden Arbeiten ergänzen sich damit: Während die ältere Untersuchung die Bewegung mit Strahlungskräften erklärt, stellt die neue den nötigen Eisvorrat für die Kometenhypothese infrage. Für einen endgültigen Nachweis der Zusammensetzung reichen solche Modellrechnungen dennoch nicht aus. Genau hier könnten Messungen direkt am Asteroiden weiterhelfen.