// EUROGAMER.DE — GAMING
The Thing: Er schrieb eines der besten Horror-Drehbücher und zerstörte damit seine Karriere
Wie Bill Lancaster die Grundlage für John Carpenters Meisterwerk schuf und zu Unrecht in Vergessenheit geriet.
Vor einigen Tagen kam ich endlich dazu, The Thing: Remastered zu spielen. Höchste Zeit, schließlich hatte ich das Original vor rund 24 Jahren für die PC Action getestet. Damals vergab ich 81 Prozent. Eine sehr gute Wertung, aber keine Spitzennote. Dafür verhielten sich die Gegner einfach zu planlos und dumm. Entsprechend gespannt war ich, ob die Neuauflage mehr zu bieten hat als hübschere Grafik.
John Carpenters Film basiert auf der Sci-Fi-Novelle Who Goes There? von John W. Campbell Jr. (1938). Bereits 1951 wurde der Stoff erstmals verfilmt. Der Fokus lag damals jedoch auf der außerirdischen Bedrohung, nicht auf der Paranoia, die die literarische Vorlage zu einem der einflussreichsten Science-Fiction-Texte des 20. Jahrhunderts machte.
Jedenfalls hatte ich auch mit dem Remaster wieder richtig viel Spaß, obwohl das Spiel trotz aller Verbesserungen immer noch ziemlich altbacken wirkt. Gleichzeitig bekam ich sofort Lust, mir noch einmal John Carpenters Vorlage The Thing anzusehen, die für mich ganz klar zu den zehn besten Filmen aller Zeiten gehört.
Schon die ersten Minuten sind perfekt und verstörend. Ein Hubschrauber fliegt über das Eis und jagt einen Hund. Beim ersten Gucken dachte ich nur: „Warum schießen diese Schweine auf den armen Hund?“ Beim zweiten Mal: „Krass, hätten die ihn erwischt, wäre der Film wahrscheinlich nach fünf Minuten vorbei.“ Und beim dritten Mal fragt man sich plötzlich: „Moment mal, ist das überhaupt noch ein infizierter Hund oder längst die außerirdische Kreatur, die nur seine Gestalt angenommen hat?“
Genau deshalb kann ich The Thing immer wieder sehen. Ich habe ihn bestimmt schon 20 Mal geschaut und entdecke trotzdem jedes Mal neue Details, betrachte einzelne Szenen anders oder entwickle eine weitere Theorie darüber, was wann mit wem passiert ist.
Heute gilt Carpenters Werk als Meilenstein, 1982 fiel die Reaktion jedoch vernichtend aus. Publikum und Kritik ließen The Thing gleichermaßen durchfallen. Roger Ebert, einer der einflussreichsten Kritiker seiner Zeit, bezeichnete ihn sogar als „Kotztüten-Film“. Carpenter konzentriere sich zu sehr auf Spezialeffekte und Technik, während Handlung und Figuren zur Nebensache würden.
Dabei lebt The Thing gerade von seinen Charakteren und dem Misstrauen, das sich langsam zwischen ihnen ausbreitet. Niemand kann noch unterscheiden, wer Mensch, wer Freund oder längst Bedrohung ist. Die Effekte machen den Horror sichtbar, doch seine wahre Kraft speist sich aus Entfremdung, Paranoia und dem Zerfall der Gemeinschaft.
Das Drehbuch zu Carpenters Film stammte aus der Feder von Bill Lancaster – einem Mann, dem das Hollywood-Gen quasi in die Wiege gelegt wurde. Sein Vater Burt gehörte zu den größten Kinostars seiner Generation und wurde 1961 für Elmer Gantry mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Bill versuchte zunächst, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten: Er übernahm kleinere TV-Rollen und stand 1974 im Thriller Der Mitternachtsmann an der Seite seines berühmten Vaters vor der Kamera. Der große Durchbruch als Schauspieler blieb jedoch aus. Lancaster zog die Konsequenzen, kehrte der Kamera den Rücken und wechselte die Seite: Fortan schrieb er Drehbücher.