// HEISE ONLINE — INTELLIGENZA ARTIFICIALE
KI-„Gigafactorys“: EU-Kommission startet Ausschreibung
Mit spezialisierten KI-Großrechenzentren soll der erwartete EU-Bedarf an Rechenkapazität in den kommenden Jahren gedeckt werden.
Ein Jahr nach der Ankündigung durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Kommission nun die offizielle Ausschreibung für die KI-„Gigafactorys“ gestartet. Mit den Superrechenzentren soll der „KI-Kontinent“ befördert werden. Ziel der Initiative sind laut hohen EU-Beamten unabhängige Rechenkapazitäten aus der EU und aus befreundeten Staaten. Die öffentlich-private Partnerschaft besteht in einer Kofinanzierung und folgt grundsätzlich dem Konzept der „KI-Fabriken“, die die EU in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht hat. Diese würden absehbar allerdings nicht mehr für sogenannte Frontier Models reichen, heißt es von hohen Kommissionsbeamten.
Als Hauptnutzer aus dem öffentlichen Bereich sind Universitäten, Forschungsinstitutionen und Behörden angedacht. Als „Meilenstein“ bezeichnet Henna Virkkunen die heutige Ausschreibung. Sie ist Exekutivvizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie in der EU-Kommission. „Der Zugang zu massiver Rechenleistung innerhalb von KI-Gigafactorys ist eine strategische Notwendigkeit für Europa, da sich die KI-Entwicklung beschleunigt.“
Eine Besonderheit besteht in der Finanzierung des Vorhabens: Bis zu 10 Milliarden Euro sollen aus der öffentlichen Hand kommen, weitere 20 Milliarden von privat. Investoren aus der EU und aus „gleich gesinnten Ländern“ sollen hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Staaten, die sich an dem Projekt beteiligen, sollen einen Teil der Rechenkapazität in Eigenregie auf ihre Nutzer verteilen können.
Im ersten Vergabelos sollen nun vier Konsortien Rechenzentren aufbauen, die die Rechenleistung von 75.000 Nvidia-H100-Beschleunigern erreichen. In einem zweiten Los folgen später drei weitere. Die Messlatte mit den H100-GPUs überrascht, immerhin sind diese schon vier Jahre alt. Seitdem sind zwei neue Generationen erschienen, zuletzt Rubin.
Zum Start stehen EU-Mittel von 100 Millionen Euro pro Projekt zur Verfügung, später sollen jeweils 400 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Binnen 18 Monaten ab Zuschlag sollen die neuen Rechenzentren stehen. Eine Verteilung auf mehrere Standorte ist nur unter Umständen möglich: „Wir wollen nicht hundert kleine Rechenzentren“, sagt ein hochrangiger Zuständiger bei EuroHPC.
In der ersten Runde haben sich Dänemark, die Tschechische Republik, Finnland, Frankreich und Polen zur Mitwirkung bereiterklärt, weitere acht Mitgliedstaaten wollen sich beteiligen. Erst in der zweiten Runde wollen andere wichtige Staaten wie Italien, Spanien und Deutschland folgen. Es geht um noch mehr Geld.
Ob auch deutsche Unternehmen zum Zug kommen, ist offen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch hoch. Denn es dürfen sich zwar auch Nicht-EU-Unternehmen an den Projekten beteiligen, die Kontrolle über die jeweiligen Konsortien muss jedoch in der EU angesiedelt sein. Auch die Rechenzentren müssen physisch auf Unionsterritorium und damit unter der Kontrolle von EU-Staaten stehen.
Ansonsten sollen EU-Standards gelten. Die Vergabebedingungen sollen ausschließen, dass Nicht-EU-Staaten Einfluss auf die KI-Gigafabriken erhalten. Gleichwohl sei man auf Hardware etwa von Nvidia, Qualcomm oder AMD angewiesen, heißt es aus Kreisen der Beteiligten. Der kommende „Cloud and AI Development Act“ (CADA) soll die genauen Nutzungskriterien festlegen, inklusive Vorgaben für die Souveränität.
Die EU sieht zudem Regeln für die Nachhaltigkeit und Strom aus erneuerbaren Energien vor. Der Fokus liegt auf hoher Energieeffizienz und damit Konkurrenzfähigkeit.