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Missing Link: Die Atomisierung der Überwachung
Nach drei Jahrzehnten an den Knotenpunkten des Netzes warnt Klaus Landefeld vor einer ausufernden Überwachung durch atomisierte, immer weiter reichende Gesetze.
Bekam seine erste Überachungsanordnung schon in den 1990er Jahren: Klaus Landefeld.
Klaus Landefeld gehört zu den Menschen, die man gerne Internet-Pioniere nennt. 1995 gründete er des IP-Service-Provider Nacamar. Seine erste Überwachungsanordnung erhielt er allerdings schon vorher – als Betreiber von Mailboxsystemen und LAN-Infrastrukturen mit seinen Unternehmen Landefeld Datenkommunikation und Compatible Computer Systems.
Landefeld ist Gründungsmitglied wichtiger Netz-Institutionen wie der Denic und dem Amsterdamer Internet-Exchange-Knoten. Seit über 20 Jahren ist er in verschiedenen Funktionen beim DE-CIX und dessen Träger, dem eco Verband, tätig. Er berät zudem an vielen Stellen die Politik, etwa im Ausschuss für Technische Regulierung in der Telekommunikation (ATRT) der Bundesnetzagentur und im Vertragskommittee der 25 Jahre alten Budapest-Konvention zu Cybercrime.
Nach über drei Jahrzehnten am Puls der Netze zieht Landefeld im Gespräch mit heise online Bilanz und warnt vor der Gefahr einer überbordenden Überwachung, die durch atomisierte, immer mehr Eingriffe erlaubende Gesetze ermöglicht wird.
Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
Schon viele Jahre vor den Enthüllungen von Edward Snowden war es fast ein offenes Geheimnis, dass der DE-CIX Ziel von Überwachung war. Wann haben Sie zum ersten Mal vom DE-CIX-Untermieter BND erfahren?
Das ist wohl die falsche Frage – der BND hatte bereits viele Jahre lang versucht, sich am DE-CIX anzuhängen, und wir haben uns lange dagegen gewehrt. In den 90er Jahren gab es mal eine Arbeitsgruppe unter dem Titel “Going Dark” für die Strafverfolgungsbehörden.
Diese Arbeitsgruppe war ganz konstruktiv. Bis die Dienste dazu kamen und forderten, die Provider müssten sofort alles an sie herausgeben. Das führte letztlich dazu, dass die meisten Anbieter die Arbeitsgruppe unter Protest verließen.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei war schon kompliziert, aber für die Weitergabe von Daten an Geheimdienste existierte einfach keine Rechtsgrundlage. Ein paar Jahre später, ich denke ausgelöst von 9/11, standen die Geheimdienste wieder auf der Matte. Wir haben weiter auf die fehlende Rechtsgrundlage verwiesen. Dann wurden wir ins Kanzleramt gebeten. Dort wurde den Providern klar gemacht, wie wichtig diese Datenausleitung für den Bestand der Bundesrepublik sei…