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Cambridge L/R S im Test: Die neuen Könige für gigantischen Schreibtisch-Sound
Kompakte Maße, riesiger Klang: Warum diese edlen Desktop-Boxen aus England selbst gestandene Konkurrenten vom Platz fegen und jeden Cent wert sind
Einer mehr am großen Markt der kleinen Boxen: Mit den sehr griffig benannten L/R S ist jetzt auch Cambridge Audio dabei, euch den Schreibtisch mit sattem Stereo-Sound zu füllen. Wem die Engländer kein Begriff sind: Cambridge Audio wurde 1968 in – große Überraschung – Cambridge gegründet und ist bis heute nicht Teil eines der üblichen Konglomerate, sondern eine in privatem Besitz befindliche Audio-Schmiede. Sicher, die Produktion findet in China statt, aber das gilt in einem weiten Rahmen für fast alle High-End-Marken und wir wollen das den Engländern nicht ankreiden. Stattdessen schauen wir mal lieber, was sie da für 500 Euro das Pärchen auf euren Schreibtisch stellen und was die Cambridge L/R S so können.
Habt ihr die Boxen aus der extrem sicheren Verpackung befreit, stellt ihr fest, dass der Zusatz S wirklich für small steht, denn mit 13,5 Zentimeter Breite, 23 Höhe und 18 Tiefe sind sie schnucklig klein. Neben einem 32-Zoll-Bildschirm verschwinden sie fast und sind sogar noch etwas kleiner als meine Nubert A-125 Pro, mit denen sich die L/R S auch messen müssen. Zum einen kosten die Cambridge 100 Euro mehr als der Konkurrent aus Schwäbisch Gmünd, zum anderen sind bisher die Nubert meine Schreibtischreferenz in der S(mall)-Klasse. Nun, kantig unauffällig sind beide, wobei die Cambridge auf ein Mesh verzichten. Die Töner liegen also frei.
Mit 3 Kilo für die aktive Seite und 2,5 Kilo für die passive müssen sich die Boxen um Standsicherheit keine Sorgen machen. Sie sind minimal angewinkelt, aber die Differenz nach hinten ist nur 2 Millimeter. Wenn ihr euch also direkt anstrahlen lassen möchtet, müsst ihr euch was überlegen, es gibt keine Winkel oder verstellbaren Füße. Ihr könnt zum Beispiel zwei Winkel von Cambridge kaufen, Kostenpunkt 40 Euro. Was die Wertigkeit der Haptik beim ersten Fassen und Hinstellen angeht: Tadellos! Die L/R S haben eine matte, praktisch fingerabdruckfreie samtige Oberfläche, alles ist naht- und kantenlos und man hat den Eindruck, dass sie was abkönnen.
Es ist eine wuchtige Stabilität, die man da glaubt in der Hand zu haben. Bis man versucht, zwei Boxen und ein Bier in der Küche zu balancieren, die aktive Box einen Abflug auf die Steinfliesen macht, um mit der Ecke unten links vorn so richtig mit Schmackes zu landen. Nicht aus zu großer Höhe, aber trotzdem. Besser als das Bier und ein Hoch auf Testmuster, dachte ich mir und sah mich schon dieses zähneknirschend zurückschicken. Aber nein, wie sich herausstellt, sind die Boxen wertiger gearbeitet, als es bei normaler Nutzung sein müsste. Es gibt eine Delle, wo der Erstkontakt erfolgte, der untere Töner schaute einen halben Millimeter raus, ließ sich aber schnell wieder zurückschieben und sonst war da mehr Schreck als Auswirkung. Alles läuft, nur die Schönheit hat ein wenig gelitten.
An Technik haben hier ein 21-mm-Alu-Hochtöner und ein 3-Zoll-Mitten/Tieftöner mit Reflexausgang an der Rückseite den Sturz überlebt. Das und die 100 Watt Verstärkerleistung, die in dem kleinen Paket stecken. Sicher, pro Kanal 50 Watt aktive Class-D-Verstärkung ist nicht die Welt, wenn man große Boxen ansteuern will. Aber diese winzigen Töner hier? Das ist eine Menge Power und ich bin gespannt, ob das nicht ein wenig viel des Guten sein könnte.
Beim Zubehör ist man ein wenig knauserig. Ihr bekommt natürlich ein Stromkabel, aber weder ein USB-C-, noch ein optisches noch ein AUX-Kabel. Ist jetzt nicht so dramatisch, von den üblicherweise mitgelieferten Billig-Versionen dieser Kabel habe ich hier genug rumliegen, aber eben, weil man sonst damit zugeworfen wird, fällt es auf. Was noch dabei ist, ist die kleine Fernbedienung. Diese ist zwar aus leichtem Plastik, aber die Knöpfe haben einen soliden Druckpunkt. Lediglich die Grau-auf-Grau-Beschriftung könnte besser lesbar sein. Solide, aber weder haptisches Wunder noch Hingucker.
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