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id Software: Xbox “versteht Kunst nicht”, sagt Entwickler und glaubt nicht an Zukunft mit großen Spielen
Ein Entwickler von id Software übt nach den Entlassungen scharfe Kritik an Xbox. Er zweifelt an der Zukunft des Studios und rügt das Management.
Die gewaltigen Entlassungswellen bei Xbox haben auch das beliebte Studio id Software im Juli getroffen. Ein Großteil der Belegschaft musste gehen. Dennoch wurde immer wieder betont, dass das Studio nicht am Ende ist und weiterhin hochwertige Spiele entwickeln kann. Chris Hays, langjähriger Mitarbeiter und Lead Services Programmer bei id Software, widerspricht diesen Aussagen und teilt vor allem gegen Xbox aus.
Im Juli wurde auch id Software, die Macher von Doom, von der Entlassungswelle getroffen und fast die Hälfte der Mitarbeiter musste das Studio verlassen. Ehemalige Angestellte sehen dabei nicht nur künftige Doom-Spiele auf der Kippe, sondern auch die hauseigene Engine in Gefahr. Co-Studio-Director Hugo Martin widersprach diesen Darstellungen eines Blutbads und meint, dass id Software sich bester Gesundheit erfreue und auch in Zukunft weitere hochwertige Spiele erschaffen wird.
Kritik wird dabei aber auch aus den eigenen Reihen laut, denn Chris Hays, der seit 15 Jahren für id Software arbeitet, hat in einem Gespräch mit dem Well Played-Podcast etwas aus dem Nähkästchen geplaudert und seine Einschätzung der Lage geteilt.
“Es ist schwer, ein AAA-Spiel zu entwickeln, das so ist wie das, was wir bisher gemacht haben und das mit nur halb so vielen Mitarbeitern. Und mit schwer meine ich unmöglich”, erklärt er im Interview. “Es ist schwer, ein Spiel zu entwickeln, wenn ganze Abteilungen, die man braucht, komplett abgebaut wurden. Ganze Fachbereiche sind weggefallen. Die Beteuerungen, dass wir immer noch dasselbe id sind und weiterhin das Gleiche tun werden – nun, zunächst einmal: Wir sind nicht mehr dasselbe id. Wir sind nur noch zur Hälfte dasselbe id.”
Doch seine Aussagen über Xbox treffen noch härter. Laut Hays gab es einen Gesprächsleitfaden für ids Management, worüber sie reden dürfen und worüber nicht. Er vermutet, dass dies nur dazu dienen sollte, dass nicht mehr Leute gehen oder kündigen, weil sie keine Zukunft beim Entwickler mehr sehen. “Letztendlich ging es dabei hauptsächlich darum, uns weiszumachen: ‘Oh nein, alles ist in Ordnung. Und es wird schon wieder gut werden.’”
“Es waren dieselben Aussagen, die sie auch öffentlich gemacht hatten, wie zum Beispiel: ‘Na ja, [das Studio] hat etwa die Größe von Doom 2016’ oder ‘Wir sind fast genauso groß’, und so haben wir dieses Spiel veröffentlicht, so können wir auch ein weiteres Spiel veröffentlichen. So etwas in der Art.”
Große Kritik übt er auch am Game Pass-Modell, denn obwohl viele Spiele bereits am ersten Tag im Game Pass verfügbar seien, messe Xbox weiterhin den Erfolg in verkauften Spielen. Da id Software zu Bethesda gehört, die wiederum zu Xbox und Microsoft gehören, erscheinen ihre Spiele automatisch im Game Pass. Entsprechend müssen kaum PC- oder Xbox-Spieler ihre Titel wirklich kaufen und dennoch gibt es Kritik an den Verkaufszahlen.
“Ich weiß, dass [id] ernsthafte Probleme damit hat, wie der Game Pass gehandhabt wird”, führt Hays weiter aus. “Immer wenn wir die Finanzberichte sehen, in denen steht, dass es unter Bethesda schlechte Verkaufszahlen gab, was bedeutet Verkaufszahlen überhaupt? Wenn man den Game Pass hat, meint man dann mit schlechten Verkaufszahlen, dass nur wenige Spiele verkauft wurden? Denn natürlich verfolgt [Xbox] kein Geschäftsmodell, das auf verkauften Spielen basiert.”
Laut Hays fehlt Xbox ein ganz grundsätzliches Verständnis für Kunst und dafür, wie Videospiele überhaupt funktionieren. “Wenn man die Hälfte eines Studios streicht und dabei nicht berücksichtigt, wie es aufgebaut ist, versteht man nicht, dass der Zusammenhalt zwischen unseren Teams ein wesentlicher Faktor für den Erfolg war.”