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Warum Erdgas bald wieder teurer werden könnte
Deutschlands Gasspeicher sind ungewöhnlich leer für diese Jahreszeit. Ein echter Gasmangel droht jedoch nicht. Warum die Gaspreise im kommenden Winter trotzdem wieder deutlich steigen könnten.
Noch ist Hochsommer, doch am Gasmarkt richtet sich der Blick längst auf die kalte Jahreszeit. Denn Deutschlands Gasspeicher sind laut Daten von Gas Infrastructure Europe derzeit nur zu gut 48 Prozent gefüllt. Europaweit war der Füllstand Anfang August mit rund 58 Prozent so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenreihe 2011.
Ein Grund sind die vergleichsweise geringen Gasimporte. Hinzu kommen historisch niedrige Wasserstände vieler Flüsse: Sie beeinträchtigen in Teilen Europas die Stromerzeugung aus Wasser- und Kernkraft und erhöhen dadurch den Bedarf an Erdgas für die Stromproduktion.
Wegen der anhaltenden Hitze muss das Atomkraftwerk Paks abgeschaltet werden.
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Allerdings ist die Lage in Europa sehr unterschiedlich: Während Deutschland hinterherhinkt, sind die Speicher in Italien bereits zu mehr als drei Vierteln gefüllt, in Polen sogar zu 87 Prozent. Hierzulande stellt sich deshalb umso dringlicher die Frage: Reicht das Gas für den Winter?
Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment, rechnet damit, dass die deutschen Speicher zu Beginn des Winters nur zu rund 70 Prozent gefüllt sein dürften. "Damit sind wir deutlich anfälliger", sagt Benedix im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Sollte der Winter überdurchschnittlich kalt ausfallen, könnten die Vorräte nach seinen Berechnungen gegen Ende der Heizperiode sogar "in Richtung zehn Prozent Füllstand" sinken.
Müssen Verbraucher und Unternehmen nun eine Wiederholung der Energiekrise von 2022 fürchten? Nein, sagt die EU-Kommission. Die "Koordinierungsgruppe Erdgas" hat derzeit "keine unmittelbaren Bedenken" hinsichtlich der Sicherheit der Gasversorgung der EU im kommenden Winter.
Auch die Bundesnetzagentur gibt sich vergleichsweise gelassen. Die deutsche Gasversorgung sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar, zudem gebe es genügend Importmöglichkeiten.
In der Bundesregierung gibt es Pläne für eine staatliche Gasreserve. Sie soll rund 24 TWh Gas umfassen.
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Tatsächlich sind die Speicherfüllstände heute nicht mehr der einzige Gradmesser für die Versorgungssicherheit. Auch Rohstoffexperte Benedix warnt deshalb vor einem vorschnellen Vergleich mit 2022: "Die aktuelle Lage ist sicherlich nicht vergleichbar mit damals. Jetzt sind wir darauf vorbereitet, viel Flüssiggas zu empfangen - auch über die verschiedenen Terminals, die es in der Nord- und Ostsee gibt."