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Warum Diesel trotz gesunkener Ölpreise so teuer bleibt
Der Ölpreis ist seit seinem Kriegshoch deutlich gefallen. Doch an der Tankstelle kommt davon kaum etwas an - vor allem Diesel bleibt teuer. Was hinter der ungewöhnlichen Preisentwicklung steckt.
Die Spritpreise in Deutschland haben in den vergangenen Wochen wieder angezogen. Besonders Diesel verteuerte sich zuletzt kräftig. Seit Anfang Juli ist Diesel im bundesweiten Schnitt um rund 34 Cent je Liter teurer geworden - bei Super E10 beträgt der Anstieg gut 20 Cent.
Das Auslaufen des Tankrabatts von 17 Cent Ende Juni erklärt dabei nur einen Teil der Preissteigerung. Besonders bemerkenswert: Diesel ist wieder deutlich teurer als Benzin - und das, obwohl der Kraftstoff steuerlich begünstigt ist.
Die Spritpreise haben sich damit ein Stück weit von der Entwicklung der Rohölpreise an den Rohstoffmärkten entkoppelt. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent ist seit seinem Kriegshoch von über 126 Dollar je Barrel (159 Liter) Ende April deutlich gefallen und liegt aktuell gut 30 Dollar darunter.
Doch an der Tankstelle kommt davon vergleichsweise wenig an. Denn dort ist der Ölpreis nur ein Teil der Rechnung. "Die Tankstellen kaufen ja kein Rohöl, sondern sie kaufen das fertige Produkt - also Diesel und Benzin", sagt Thu Lan Nguyen, Leiterin Rohstoff- und Devisenanalyse der Commerzbank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
Und genau hier spielt die Verarbeitung in den Raffinerien eine Rolle: Aus Rohöl müssen erst Diesel und Benzin hergestellt werden - das verursacht zusätzliche Kosten. "Und diese Kosten sind variabel. Die sind natürlich in normalen Zeiten relativ stabil, aber wir befinden uns momentan eben nicht in normalen Zeiten", so Nguyen.
Ablesbar ist das am sogenannten Diesel-Crack-Spread - also am Aufschlag von Diesel gegenüber Rohöl. Je größer dieser Abstand, desto teurer ist die Verarbeitung beziehungsweise desto knapper ist Diesel im Verhältnis zum Rohöl.
Der Diesel-Crack-Spread ist zuletzt massiv gestiegen und liegt mit über 90 Dollar je Barrel nahe seines Rekordhochs. Die Internationale Energieagentur (IEA) meldet inzwischen Rekordwerte bei den Raffineriemargen für Diesel, Kerosin und Benzin im Atlantikraum.
Ob Öl-Industrie oder Staat profitieren, hängt von der Kraftstoffsorte ab.
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Denn weltweit sind fertige Kraftstoffe knapp: Im Zuge des Iran-Kriegs wurden Raffinerien durch Angriffe beschädigt oder aus Sicherheitsgründen heruntergefahren. Zusammen mit den Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus hat das die Ausfuhr von Diesel, Benzin und anderen Ölprodukten deutlich verringert.