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30 Jahre ITSG: Wie aus einem Trust Center ein zentraler IT-Dienstleister wurde
ITSG feiert 30 Jahre. Ein Interview über den Datenaustausch, IT-Sicherheit und Strategien zu KI und Open Source.
(Bild: Excelworld / Shutterstock.com / Bearbeitung heise medien)
Vor 30 Jahren stand die ITSG vor einer damals neuen Aufgabe: Sozialdaten sollten zwischen Krankenkassen, Arbeitgebern und Leistungserbringern sicher elektronisch statt auf Papier ausgetauscht werden. Die technische Grundlage dafür ist eine Public-Key-Infrastruktur (PKI), also ein System, das digitale Zertifikate ausstellt und verwaltet, damit Kommunikationspartner ihre Identität nachweisen und Daten vertraulich übertragen können.
Das hierfür aufgebaute Trust Center wurde zur ersten Anwendung der ITSG und legte den Grundstein für ihre heutige Rolle als IT-Dienstleister im Gesundheits- und Sozialwesen. Zwischenzeitlich, bis zur Version 2.6. war die ITSG auch Betreiber der elektronischen Patientenakte (ePA). Anlässlich des Jubiläums sprachen wir mit Geschäftsführer Stefan Haibach und Chief Strategy Officer Gregor Grebe.
Stefan Haibach: Unser Kerngeschäft war ja damals beginnend wirklich eher das Thema Datenaustausch mit Leistungserbringern und Arbeitgebern. Noch vor Ulla Schmidt hat Horst Seehofer ins Gesetz geschrieben, dass der Datenaustausch zukünftig gesichert elektronisch stattfinden müsse. Die Krankenkassen haben sich zusammengesetzt und überlegt, wie eine PKI überhaupt funktioniert – daraus wurde unser Trust Center, im Prinzip die erste Anwendung der ITSG.
Gregor Grebe: Für alle, die nicht Arzt, Zahnarzt oder Apotheker sind, aber trotzdem Leistungen abrechnen: Physiotherapeuten, Hebammen, Perückenmacher, Schuhmacher, Taxifahrer für Krankenfahrten. Als Nächstes kam das Arbeitgeberverfahren dazu, das 2006 verpflichtend wurde. Seitdem laufen die monatlichen Beitragsmeldungen elektronisch über unsere Systeme.
Grebe: Nach heutigen Maßstäben würde man das naiv nennen. Um sich im damaligen Arbeitgeberportal sv.net anzumelden, musste man nur den Firmennamen und die Betriebsnummer kennen und ein Passwort vergeben. Es gab Lohnsachbearbeiter, die heimlich ein zweites Konto mit eigener Bankverbindung anlegten, oder Dienstleister, die für eine einzelne Meldung 20 Euro kassierten und im Hintergrund Studierende das Formular abtippen ließen. Heute braucht man den Personalausweis oder ein ELSTER-Zertifikat.
Haibach: Die hat unser damaliger Geschäftsführer Harald Flex quasi in Personalunion gegründet, ist dann aber wieder rausgegangen. Seitdem gibt es thematische Berührungspunkte, aber die Gematik war eher auf die medizinisch-inhaltliche Versorgung fokussiert. Ein Abfallprodukt der Gematik-Gründung war allerdings, dass wir bis heute die Krankenversichertennummer für alle gesetzlichen und mittlerweile auch privaten Kassen vergeben und verwalten.
Gab es schon vor der Gematik-Gründung Berührungspunkte mit dem Thema Patientenakte?
Haibach: Ja, ich war damals beim AOK-Bundesverband im Fachbeirat der Gematik-Vorgängerorganisation Protego und bei Bedarf auch im Lenkungsausschuss. Wir haben viele Papiere im Aktionsforum Telematik im Gesundheitswesen erarbeitet. Ich war unter anderem an der Entwicklung des Fachpapiers zur elektronischen Patientenakte beteiligt, unter Leitung von Dr. Erhard Geist vom Verband der Ersatzkassen (vdek), mit Vertretern aller Spitzenorganisationen.