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Red Dead Redemption: Ex-Entwickler prangert extremen Crunch bei Rockstar als reine "Show" an
Kris Roberts beschreibt die letzten Monate des Western-Epos als absurde Überstunden-Phase seines Lebens – angeordnet nur für die Chefetage.
Nach Angaben von Kris Roberts, der früher bei Rockstar Games arbeitete, waren die letzten sechs Entwicklungsmonate von Red Dead Redemption die schlimmste Crunch-Phase, die er je erlebt hat.
Das Schlimme daran: Es ging laut Roberts nicht primär darum, das Spiel besser zu machen – vielmehr wollte man den Führungskräften eine gute Show bieten.
Wie er im Gespräch mit Kiwi Talks erklärt, lief die Kernarbeitszeit bei Rockstar von 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr. "Wer länger machte, bekam Abendessen spendiert und so weiter", erzählt er.
"Irgendwann dehnten sich die Kernarbeitszeiten auf halbe Samstage aus, an denen wir anwesend sein mussten. Dann wurden daraus ganze Samstage. Der Sonntag war offiziell zwar 'optional', aber definitiv erwünscht. Am Ende arbeiteten wir jeden verdammten Tag, und zwar rund um die Uhr."
In der Spieleindustrie bezeichnet "Crunch" eine Phase extremer, oft unbezahlter Überstunden, um Meilensteine oder Release-Termine einzuhalten. Diese Phasen dauern oft Monate an und stehen wegen gravierender gesundheitlicher Folgen für die Entwickler massiv in der Kritik.
Die letzten sechs Monate des Projekts wirkten daher auch aufgrund von Schlafmangel wie ein großer Schleier, betont er: "Man landet in einer Art Amnesie-Zustand. Man kann sich kaum noch an die genauen Abläufe erinnern."
Rockstars Crunch-Historie ist bekannt, im Hinblick auf Red Dead Redemption ärgert sich Roberts jedoch besonders über "künstlich erzeugte" Crunch-Phase – erst recht, wenn Führungskräfte wie Sam Houser oder Leslie Benzies zu Besuch kamen.
"Ich erinnere mich an ein paar konkrete Freitagnachmittage", sagt Roberts. "Das Management schickte dann eine E-Mail herum: 'Nur damit wir uns verstehen: Wir müssen dieses Wochenende alle hier sein.' Kurz darauf folgte direkt die nächste Mail: 'Und mit Wochenende meinen wir nicht nur den Samstag.' Da hatte ich meinen Kindern längst versprochen, was wir am Wochenende unternehmen wollen. Und am Freitag um 16:30 Uhr sagt man mir, dass ich am Sonntag im Büro antanzen muss – völlig egal, was sonst ansteht. Das geht absolut gar nicht."
"Und das passierte nicht aus sachlichen Gründen. Niemand sagte: 'Oh, wenn ihr eine bestimmte Anzahl an offenen Tickets in Bugstar habt' oder 'Wenn kritische Fehler vor dem nächsten Build behoben werden müssen'. Es gab keinen handfesten, geschäftlichen Grund für diese Wochenendarbeit. Es lief vielmehr nach dem Motto: 'Nein, wir müssen nach außen hin den Eindruck erwecken, dass immer alle da sind, weil gerade ein Boss zu Besuch ist.'"