// COMPUTERBASE — HARDWARE & GADGET
Kein Ersatz im Garantiefall: SSD-Hersteller erstatten lieber den günstigen Kaufpreis (Update)
In Zeiten knapper und teurer Speicherprodukte kommt es auch bei der Abwicklung von Garantiefällen zu Problemen. In mehreren publik gewordenen Fällen mit Produkten von Crucial (Micron) und SK Hynix drückten sich Hersteller um einen Ersatz und wollten nur den gegenüber heute viel geringeren Kaufpreis erstatten.
Vor einigen Tagen berichtete Tom's Hardware von einem Fall, bei dem ein Reddit-Nutzer eine E-Mail vom Kundensupport von SK Hynix teilte. Darin heißt es, dass es für seine defekte SSD keinen Ersatz gebe, da schlicht keine Ersatz-SSDs verfügbar seien. Stattdessen sollte er einen Geldbetrag in Höhe des damaligen Kaufpreises der SSD bekommen. Da sich im Zuge der Speicherkrise die SSD-Preise aber mehr als verdoppelt haben, gilt dies heute nicht mehr als gleichwertiger Ersatz.
Zufriedenstellend ist dieses Vorgehen aus Kundensicht also nicht. Allerdings steht in den Garantiebedingungen von SK Hynix, dass statt eines Austauschs oder einer Reparatur eben auch eine Rückerstattung erfolgen kann. Der Hersteller sichert sich dabei zusätzlich ab und schreibt, dass die Rückerstattung entweder dem ursprünglichen Kaufpreis oder dem Marktwert entspricht – je nachdem, welcher Betrag niedriger ist.
Of any product that is determined by SK hynix to be defective during the warranty period, the Product may be repaired or replaced by a SK hynix authorized dealer in accordance with the warranty policy and the decision of SK hynix. In lieu of a Product repair or replacement, the original purchaser may receive a refund of either the original purchase price or the fair market value, whichever is lower.
Viel dagegen machen kann der Kunde also nicht und muss aufgrund des starken Preisanstiegs Verluste beim Einkauf einer neuen SSD ertragen. Ob der Hersteller wirklich keinen Ersatz mehr auf Lager hatte, lässt sich nicht so einfach nachweisen.
Ebenfalls auf Reddit, aber auch im Postfach der Redaktion landeten Hinweise eines deutschen Kunden, der ähnliches beim Hersteller Crucial erlebt hat. Kurz zusammengefasst wollte er seine defekte Crucial X10 Pro 4 TB (eine externe SSD) austauschen lassen. Doch Crucial verweigerte dies und verwies auf erschöpfte Lager und eine eingestellte Produktion. Daher sollte der Kunde lediglich den ursprünglichen Kaufpreis in Höhe von 230 Euro erstattet bekommen, während die SSD heute rund 400 Euro kostet. Der nötige Neukauf würde also einen deutlichen Verlust bedeuten.
Der Vorschlag, stattdessen eine SSD aus dem Bestand des Mutterkonzerns Micron zu schicken, wurde von Crucial abgelehnt.
In diesem Fall ist die Situation allerdings zusätzlich kompliziert, da der Mutterkonzern Micron die Consumer-Marke Crucial Ende 2025 eingestellt hat. Dennoch müssen etwaige Garantieansprüche bei Crucial-Produkten noch erfüllt werden.
Auf den offiziellen Supportseiten für Crucial-Produkte heißt es wörtlich: „Wir wissen, dass die Wiederbeschaffungskosten heutzutage höher sein können. Der Garantieschutz ist jedoch an den ursprünglichen Kauf gebunden.“ Dort wird ebenfalls auf eine begrenzte Anzahl von Ersatzprodukten hingewiesen. Die Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises sei „die höchstmögliche Entschädigung, die während der Schließung verfügbar ist“.
Auch bei anderen großen SSD-Herstellern ist die Rückerstattung Teil der Garantiebedingungen. Samsung schreibt allerdings, dass die Rückerstattung dem Marktwert zum Zeitpunkt der Geltendmachung des Garantieanspruchs entsprechen soll. Das wäre aus Kundensicht heutzutage sehr vorteilhaft, für Samsung allerdings sehr teuer.