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Doctolibs Opt-out in Frankreich: Blaupause für Gesundheitsdaten in Deutschland?
Doctolib wird in Frankreich KI-Modelle mit Gesundheitsdaten trainieren. Betroffene können widersprechen. Warum das auch für Deutschland denkbar wäre.
Gesundheitsdaten sind für die medizinische Forschung besonders wertvoll und besonders sensibel. Doctolib will in Frankreich Daten aus seiner Praxissoftware und personalisierten Gesundheitsdiensten für Forschungs- und KI-Projekte weiterverwenden. Patienten sollen vorher nicht ausdrücklich einwilligen müssen, können der Nutzung ihrer Daten aber widersprechen. Nach Angaben von Doctolib betrifft das angekündigte Forschungsprojekt ausschließlich Frankreich.
Über die Forschungspläne der Terminbuchungsplattform Doctolib in Frankreich, mögliche Vorbilder für Deutschland und die Frage, wie sich Forschungsfreiheit und Datenschutz verbinden lassen, sprechen wir mit Dr. Anna Berry, Volljuristin und Forschungsreferentin am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV).
heise online: Doctolib war lange vor allem als Terminportal bekannt. In Frankreich ist das Unternehmen inzwischen aber deutlich breiter aufgestellt. Warum ist das für die Datenschutzdebatte relevant?
Anna Berry: Weil Doctolib in Frankreich längst nicht mehr nur Termine vermittelt. Das Unternehmen ist 2013 mit Online-Terminbuchung gestartet und bietet heute eine umfangreiche Software-Suite an: darunter Terminmanagement, Videosprechstunden, sichere Kommunikation, Funktionen für Praxisverwaltung und medizinische Dokumentation sowie KI-gestützte Assistenzfunktionen. Damit ist Doctolib an mehreren Stellen des Versorgungsalltags präsent. Wenn ein Unternehmen Terminvereinbarung, Praxissoftware und digitale Begleitung von Patientinnen und Patienten miteinander verbindet, gewinnt die Frage an Gewicht, welche Daten für welchen Zweck verarbeitet werden dürfen.
Auf Seiten der Behandelnden umfasst die Software-Suite von Doctolib unter anderem ein medizinisches Dossier, also Funktionen zur Dokumentation in der Praxis. Das ist etwas anderes als die französische staatliche Akte „Mon espace santé“. Aber es zeigt, dass Doctolib in Frankreich schon früher zu einer umfassenderen Gesundheitsplattform geworden ist.
In Deutschland scheint Doctolib nun einen ähnlichen Weg einzuschlagen: Das Unternehmen bietet inzwischen auch hier ein eigenes Praxisverwaltungssystem mit KI-Funktionen an. Das ist zwar keine gesetzliche ePA und keine Doctolib-Patientenakte für Versicherte. Trotzdem rückt der Anbieter damit näher an zentrale Daten- und Arbeitsabläufe in Arztpraxen.
Genau. Das deutsche Praxisverwaltungssystem bündelt neben dem Terminmanagement auch die Dokumentation und Abrechnung, hinzu kommen KI-Assistenten etwa für Telefonie und Dokumentation. Daraus folgt nicht, dass Doctolib diese Daten ohne Weiteres für Forschung verwenden dürfte. Aber: Wer technische Infrastruktur für Praxen bereitstellt, ist sehr viel näher an den Prozessen, in denen Gesundheitsdaten entstehen und verarbeitet werden. Deshalb müssen Zweckbindung, Datenminimierung und Zugangskontrollen von Anfang an mitgedacht werden.
Doctolib plant in Frankreich nun Forschungsprojekte, bei denen Gesundheitsdaten und KI eine Rolle spielen. Was ist bisher darüber bekannt?
Doctolib führt auf seinem Forschungsportal zwei Projekte auf, die laut Portal am 1. September 2026 beginnen sollen. In einem Projekt soll untersucht werden, wie KI helfen kann, Risiken anhand der medizinischen Vorgeschichte besser vorherzusehen und Versorgungspfade zu koordinieren. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Verlässlichkeit generativer KI-Modelle im medizinischen Bereich. Als Partner nennt Doctolib Inria, Inserm und Paris Cité beziehungsweise das HeKA-Team.