// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Leisten wir uns zu viele Jobs, die dem Wohlstand nichts bringen?
Deutschland hat ein Problem: Die Wirtschaft wächst nicht mehr so stark, wie sie müsste, um den Wohlstand zu halten. Wird zu viel verwaltet und berichtet, statt Investitionen und neue Ideen ins Land zu holen?
Die Zahlen sprechen für sich: Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?
"Drei Dinge kommen da zusammen", sagt Christian Kestermann vom IW Köln, der für die Stiftung Familienunternehmen eine Studie zum Thema durchgeführt hat. Gründe für den Rückgang des Produktivitätswachstums sind demnach zum einen, "dass die Fortschritte aus der Digitalisierung nicht so zum Tragen kommen wie erhofft und es keinen technologischen Fortschritt gibt, der die Produktivität treibt."
Zweitens fehlten zunehmend Fachkräfte durch den demografischen Wandel, was dazu führe, dass Unternehmen Personal "horten", auch wenn sie eigentlich gerade nicht ausgelastet seien. "Und drittens investieren Staat und Unternehmen zu wenig in neues Kapital, also neue Maschinen und Anlagen, eine bessere Infrastruktur, was auch zu geringerem Produktivitätswachstum führt."
Deutschlands führende Wirtschaftsforscher treten massiv auf die Bremse.
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Nach Analyse des IW-Forschers müsste Deutschland einen gut fünfmal höheren Produktionszuwachs haben, um den Wohlstand im Land zu halten. Heißt das im Umkehrschluss: Wir leisten uns zu viele "unproduktive" Jobs? Ein klares Ja kommt von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In Deutschland sei vor allem die Bürokratie zu stark gewachsen.
"Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der staatliche Sektor neben der IT der Sektor ist, wo die Beschäftigung am stärksten wächst. Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das."
Das seien Jobs, die keine besonders große Produktivität mit sich brächten, und in diesen Bereichen seien in den letzten Jahren überproportional viele Jobs entstanden, so Ökonom Krämer gegenüber der ARD-Finanzredaktion.
Hintergrund
27.09.2024
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