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Außenminister Wadephul in der Ukraine: Eindrucksvoller Symbolbesuch
Sein Besuch sollte ein Symbol der deutschen Verbundenheit mit der Ukraine sein. Doch der Krieg und dessen Folgen vor Ort erinnern Bundesaußenminister Wadephul daran, was das Land am Dringendsten braucht: Abwehrraketen.
Es sollte vor allem ein symbolischer Besuch sein, Johann Wadephuls vierter Besuch in der Ukraine, seitdem er Außenminister ist. Ein Symbol der Verbundenheit und der Verlässlichkeit, mit dem Ziel, zu Hause in Deutschland möglichst viel Aufmerksamkeit auf den andauernden Krieg Russlands gegen die Ukraine zu lenken. "In dieser historischen Situation, und es ist nicht weniger als eine historische Situation", so seine Mahnung, "müssen wir Deutsche wissen, wo wir stehen." Die Antwort ist für Wadephul klar. An der Seite der Ukraine.
Als er am Freitagabend zu seiner Reise nach Kiew aufbricht, ist ihm klar, dass er nichts Konkretes im Gepäck hat, vor allem nicht das, was die Ukraine am dringendsten benötigt, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj immer wieder betont: die Zusage für neue "Patriot"-Abwehrraketen. Einmal angekommen, kann Wadephul nur immer wieder betonen, dass er mit den Partnern rede, dass er mit neuen Eindrücken von der Reise die Bemühungen intensivieren werde. Im Gespräch sind immer wieder Griechenland, Spanien, Südkorea und Japan. Diese Länder haben noch gewisse Vorräte an entsprechender Munition.
Zu diesen neuen Eindrücken gehört auch die Konfrontation mit der ständigen Bedrohung durch russische Drohnen und Raketen. Kurz nach der Ankunft, während einer Rede vor Veteranen, der erste Luftalarm. Die Veranstaltung ist im Untergeschoss eines Hotels, ihm gegenüber sitzt auch Präsident Selenskyj, Gründe genug, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Doch später erfährt Wadephul, dass bei diesem Angriff zwei Menschen ums Leben kamen. Bei einem weiteren Alarm in einem Wohnviertel von Kiew erlebt der Minister, wie sich Einwohner vor den Eingängen zu Unterführungen zusammenfinden und die Warn-App auf ihren Handys verfolgen, um sich notfalls möglichst schnell in Schutz zu bringen.
Zum vierten Mal besucht Außenminister Wadephul die Ukraine - und erstmals war er auch in Frontnähe.
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Ein erster Vorgeschmack. Noch am Nachmittag geht es weiter gen Osten, zuerst nach Poltawa. Die Sirenen schrillen immer häufiger, vor allem in der Nacht. Fast jede Stunde reißen sie den Minister und uns alle, die wir mitreisen, aus dem Schlaf.
Am nächsten Morgen geht es noch einmal zwei Stunden weiter östlich nach Charkiw, dem eigentlichen Ziel der Reise. Einer Stadt, 30 Kilometer von der Front entfernt. An den Straßen unzählige bei russischen Angriffen zerstörte Tankstellen, dann Checkpoints, zum Teil geschützt durch Netze, die helfen sollen, Drohnen abzufangen. Der Krieg rückt näher.
In den vergangenen Wochen hat das russische Militär viele ukrainische Regionen wieder so intensiv beschossen, wie seit langer Zeit nicht mehr. Der Juli war der Monat seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren, in dem es die meisten Toten unter Zivilisten gab, mehr als 470 Tote. Der permanente Luftalarm soll die Ukrainerinnen und Ukrainer zermürben.
Von all dem macht sich Wadephul ein eigenes Bild, und es beeindruckt ihn, wie die Menschen sich der Bedrohung entgegenstemmen. "Wie sie das schultern und nicht darüber klagen, was für Probleme es gibt." Und es gebe mehr Probleme als in Deutschland. "Wie sie in die Zukunft schauen, und wie sie sagen, wir haben keine andere Wahl als jetzt hier zusammenzustehen und unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen." Von dieser Einstellung könne sich auch Deutschland eine Scheibe abschneiden.