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Nächtliche Stadthitze ist in Deutschland ungleich verteilt
Stadtbewohner erleben Hitze nicht überall gleich. Eine deutschlandweite Analyse zeigt, dass nächtliche Lufttemperaturen in 84,2 Prozent der untersuchten Städte dort signifikant höher lagen, wo der Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit größer war. Die Beobachtungsdaten zeigen einen räumlichen Zusammenhang, erklären aber nicht, welche sozialen, wirtschaftlichen oder städtebaulichen Ursachen dahinterstehen.
Karlsruhe (Deutschland). Städte heizen sich stärker auf als ihr ländliches Umland, weil versiegelte Flächen und Gebäude tagsüber Wärme speichern und sie nachts wieder abgeben, während Vegetation durch Schatten und Verdunstung kühlen kann. Wie sich solche Temperaturunterschiede innerhalb von Städten auf verschiedene Bevölkerungsgruppen verteilen, ist für Deutschland bisher deutlich weniger untersucht.
Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben diese soziale Verteilung nun deutschlandweit untersucht. Im Mittelpunkt standen der Anteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit, der Anteil der Menschen ab 65 Jahren und die Miete pro Person als möglicher Hinweis auf den sozioökonomischen Status, wobei die Auswertung räumliche Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursachen beweisen kann.
„Bisher wissen wir vergleichsweise wenig darüber, welche Bevölkerungsgruppen innerhalb von Städten besonders hohen Temperaturen ausgesetzt sind“, erläutert Dr. Susanne Benz vom Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung (IPF) des KIT.
Dazu analysierte das Team alle Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands und fasste Luft- und Landoberflächentemperaturen aus den Sommermonaten 2021 bis 2023 jeweils getrennt für Tag und Nacht zusammen. Das Team bestimmte außerdem die Intensität der städtischen Wärmeinsel, indem es lokale Temperaturen mit topografisch ähnlichen ländlichen Gebieten in der Umgebung verglich.
Anschließend verknüpften die Forscher die Temperaturdaten mit Ergebnissen des Zensus 2022 und verglichen für jedes der drei soziodemografischen Merkmale innerhalb eines Kreises die Gebiete mit den jeweils höchsten und niedrigsten Werten. Erstautorin Jayati Chawla vom IPF des KIT verweist darauf, dass Landoberflächen- und Lufttemperatur unterschiedliche Aspekte urbaner Hitze abbilden und soziale Muster deshalb nicht an denselben Orten sichtbar sein müssen.
Am deutlichsten war der Zusammenhang bei der nächtlichen Lufttemperatur. In 84,2 Prozent der untersuchten Städte lag sie in Gebieten mit einem höheren Anteil von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit signifikant höher. Der Wert beschreibt, in wie vielen Städten ein statistisch signifikanter Unterschied gefunden wurde, nicht wie groß der jeweilige Temperaturunterschied ausfiel.
Bei den anderen Merkmalen fiel das Bild anders aus, denn Gebiete mit einem höheren Anteil von Menschen ab 65 Jahren waren im Mittel eher kühler. Für die Miete pro Person zeigte sich kein eindeutiges Muster. Damit spricht die Analyse nicht für eine einfache allgemeine Regel, nach der soziale oder wirtschaftliche Merkmale überall gleich mit Hitze zusammenhängen.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen also grundsätzlich, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen innerhalb von Städten unterschiedlich hohen Temperaturen ausgesetzt sind. Außerdem können wir zeigen, dass diese Unterschiede in Städten stärker ausgeprägt sind als in suburbanen oder ländlichen Kreisen“, so Jayati Chawla.
Aus dem räumlichen Zusammenhang lässt sich nicht ableiten, dass die Staatsangehörigkeit selbst die Temperatur eines Viertels beeinflusst, denn Bevölkerungsgruppen können sich unterschiedlich über Quartiere verteilen, die sich bei Bebauung, Versiegelung, Grünflächen und weiteren Merkmalen unterscheiden. Welche Faktoren den gemessenen Zusammenhang tatsächlich verursachen, hat die Studie jedoch nicht bestimmt.