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Stärke der AfD in Sachsen-Anhalt: "Der Osten ist eher das Normal"
Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt führt die AfD die Umfragen klar an. Parteienforscher Höhne sieht darin keinen ostdeutschen Sonderfall, benennt aber eine historische Spur und ein Szenario für den Fall der Regierungsübernahme.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Umfragen sehen die AfD bei 42, die CDU bei 22 Prozent. Warum die Partei gerade hier so stark ist, hat mdr Sachsen-Anhalt den Parteienforscher Benjamin Höhne von der TU Chemnitz gefragt, der lange in Sachsen-Anhalt gearbeitet hat.
Ein typisch ostdeutsches Problem sei es nicht, sagt Höhne, sondern eines aller westlichen Demokratien, im Westen nur schwächer ausgeprägt. "Insofern kann man sagen: Der Osten der Republik ist eher das Normal und der Westen eher die Abweichung, weil dort das etablierte Parteiensystem noch stabiler ist, die Zivilgesellschaft resilienter ist und sie rechten Umtrieben mehr entgegensetzen konnte und kann, als im Osten."
In der letzten ARD-Umfrage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD deutlich vorn.
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Als eine Ursache nennt Höhne die Krise der repräsentativen Demokratie: "Rechtspopulismus und Rechtsextremismus reagieren darauf, aber nicht, um Probleme zu lösen, sondern um sie zu verschärfen." Dazu kämen düstere Zukunftserwartungen: "Die Angst vor dem, was da kommt, die vielfältigen Krisen, mit denen die Menschen klarkommen müssen, zugleich Zweifel, ob der demokratische Staat noch ausreichend zur Problemlösung in der Lage ist. Da flüchten sich viele zu Rechtsaußenparteien und fallen autoritären Versprechen anheim."
Der Sachsen-Anhalt-Monitor 2025 zeigt diesen Widerspruch: 90 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden, der Zukunft des Landes trauen nur 17 Prozent etwas zu. Hinzu komme die Strukturschwäche des Landes, sagt Höhne, abgebaute Arbeitsplätze, gescheiterte Ansiedlungen wie Solar Valley, dem Industriestandort in Bitterfeld-Wolfen. Der Vertrauensvorschuss für die Westparteien sei nach 1990 entsprechend gering ausgefallen.
FAQ
06.08.2026
Umfragen deuten auf ein starkes Abschneiden der AfD hin - und eine schwierige Regierungsbildung.
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Die AfD knüpft an eine ältere Geschichte an. "Dort, wo rechtsextreme Parteien in der Vergangenheit stark waren, zeigt sich in der Regel auch eine überproportional hohe Zustimmung zur AfD", sagt Höhne. "In Sachsen-Anhalt kann man auf das Ergebnis der DVU von knapp 13 Prozent im Jahr 1998 zurückblicken, als diese Retortenpartei von Gerhard Frey aus München aus dem Stand in den Landtag einzog."
Die Wahlanalysen von damals zeigen weitere Parallelen. Die DVU hatte keine Ortsverbände, dafür eine von Frey finanzierte Plakat- und Briefkampagne, mit der sie gezielt alle Jung- und Erstwähler anschrieb. Bei den 18- bis 24-Jährigen kam sie auf gut 25 Prozent. Heute läuft dieselbe Ansprache über TikTok: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist dort der reichweitenstärkste deutsche Politiker. Bei den ostdeutschen Landtagswahlen 2024 war die AfD bei den Jungwählern jeweils stärkste Kraft.