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Fliegendes Windkraftwerk hat in 4.000 Metern Höhe Strom produziert
Windenergie ohne hohen Turm könnte bisher kaum nutzbare Luftschichten erschließen. In China hat das heliumgetragene System S4000 nun in 4.000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel Strom erzeugt und einen vollständigen Testzyklus absolviert. Der Versuch zeigt einen technischen Fortschritt, doch zur tatsächlich erzeugten Strommenge und zum Dauerbetrieb fehlen bislang veröffentlichte Messdaten.
Peking (China). Höhenwindkraft soll stärkere und gleichmäßigere Winde nutzen, als sie bodennahe Anlagen erreichen. Statt eines schweren Turms trägt beim chinesischen S4000 ein mit Helium gefüllter Flugkörper leichte Windturbinen in die Höhe. Ein Halteseil hält das System am Boden und dient zugleich dazu, den erzeugten Strom zur Bodenstation zu übertragen.
Das System stammt vom Pekinger Unternehmen Sawes Energy Technology. Nach Berichten chinesischer Staatsmedien wurde der S4000 an einem nicht näher genannten Testgelände im Nordwesten Chinas erprobt. Dabei durchlief die Anlage nacheinander Aufstieg, stationären Flug, Stromerzeugung und kontrollierte Rückholung. Die Berichte melden, dass die vorgegebenen Testziele erreicht worden seien.
Nach Angaben von Xinhua ist der Flugkörper 67 Meter lang, 40 Meter breit und 23 Meter hoch. Seine Nutzlast soll mehr als eine Tonne betragen, während die elektrische Ausgabe für Spannungen von 10 bis 35 Kilovolt ausgelegt sei. Auch die genannte Lebensdauer von 20 Jahren ist bislang eine Auslegungsangabe des Entwicklers und kein Ergebnis eines entsprechend langen Betriebs.
Die große Flughöhe ist der entscheidende Ansatz der Technik. Mit zunehmender Höhe können Windgeschwindigkeit und Windangebot günstiger werden, wodurch sich prinzipiell mehr Energie erschließen lässt. Beim S4000 sitzt die Stromerzeugung direkt im fliegenden System, während andere Konzepte der Höhenwindkraft die mechanische Energie über ein Seil zu einem Generator am Boden übertragen.
Sawes sieht die Technik unter anderem für abgelegene Wüsten, Hochlandregionen und Inseln vor, in denen klassische Stromnetze oder große Windkraftanlagen schwer zu errichten sind. Auch eine schnelle Verlegung zwischen Einsatzorten wird als Vorteil genannt. Der aktuelle Flugtest hat diese möglichen Einsatzfelder allerdings nicht im Dauerbetrieb erprobt.
Sawes entwickelt die Technik zusammen mit Forschungspartnern der Tsinghua University und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS). Die Modellreihe ist schrittweise auf größere Höhen ausgelegt. Im September 2025 erprobte das Unternehmen den S1500, der nach Unternehmensangaben eine Leistung von einem Megawatt erreichte, im Januar 2026 folgte der S2000 für 2.000 Meter Höhe.
Der aktuelle S4000-Test erweitert diese Reihe deutlich. Chinesische Berichte nennen 4.000 Meter über dem Meeresspiegel als erreichte Flughöhe und melden, dass die Anlage während des vollständigen Testablaufs Strom erzeugte. Eine konkrete elektrische Leistung, erzeugte Energiemenge, Testdauer oder Windgeschwindigkeit wurde in den veröffentlichten Berichten zum S4000 jedoch nicht angegeben.
Damit belegt der Versuch zunächst, dass das große, gefesselte Fluggerät den vorgesehenen Ablauf einschließlich Stromerzeugung in dieser Höhenlage durchlaufen kann. Ob das Konzept im längerfristigen Betrieb wirtschaftlich, wartungsarm und auch bei wechselnden Wetterbedingungen zuverlässig arbeitet, lässt sich aus diesem Einzeltest noch nicht ableiten. Dazu fehlen bislang veröffentlichte Langzeitdaten aus einem regulären Betrieb.
Als nächster Schritt sind nach Angaben von Xinhua länger dauernde Tests zur Stromerzeugung in großer Höhe vorgesehen. Die dabei gewonnenen Betriebsdaten sollen außerdem in die Entwicklung des größeren S6000-5MW einfließen. Erst solche Langzeittests können zeigen, ob aus dem erfolgreichen Flugversuch eine belastbare Alternative zu konventioneller Windkraft für schwer zugängliche Standorte wird.