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Miesmuscheln drosseln bei Parasitengefahr ihre Nahrungsaufnahme
Miesmuscheln können ihre Filtration stark drosseln, wenn sie Parasiten oder deren mögliche Vorboten wahrnehmen. In Laborversuchen sank die Filterrate bei bestimmten Trematoden um bis zu 51 Prozent, bei chemischen Spuren harmloser Strandschnecken um knapp 42 Prozent. Die Reaktion kann Infektionen verringern, kostet die Tiere aber zugleich Nahrungsaufnahme.
Aarhus (Dänemark). Miesmuscheln ernähren sich, indem sie Meerwasser durch ihre Kiemen filtern und darin schwebende Algen zurückhalten. Derselbe Wasserstrom kann allerdings auch freischwimmende Larven parasitischer Saugwürmer in die Tiere tragen. Die Muscheln stehen deshalb vor einem Zielkonflikt zwischen Nahrungsaufnahme und Infektionsschutz.
Frühere Versuche hatten bereits gezeigt, dass Miesmuscheln ihre Siphons einziehen und ihre Schalen schließen können, wenn Parasitenlarven im Wasser auftauchen. Unklar war aber, wie stark die Reaktion von der Parasitenart abhängt und ob schon chemische Signale ohne direkten Kontakt mit den Larven eine Abwehr auslösen.
Forscher der Aarhus University (AU) um Pernille Frank Kibak Nielsen haben dazu zwei Reihen von Laborversuchen mit Miesmuscheln der Art Mytilus edulis ausgewertet. In der ersten Versuchsreihe setzten sie einzelne Muscheln bei 18 Grad Celsius den Larven von drei Trematodenarten aus. Himasthla elongata und Renicola roscovita können Miesmuscheln infizieren, Cryptocotyle lingua nutzt dagegen Fische als Zwischenwirte.
Bei H. elongata sank die mittlere Filterrate gegenüber der Kontrollgruppe um 34,0 Prozent. Wurden H. elongata und R. roscovita gemeinsam angeboten, betrug der Rückgang 51,2 Prozent. R. roscovita allein und der für Miesmuscheln ungefährliche C. lingua verringerten die Filtration dagegen nicht signifikant. Die Unterschiede zwischen den drei Parasitenarten waren insgesamt zu variabel, um daraus sicher auf eine artspezifische Gefahrenerkennung zu schließen.
Nach dem Versuch fanden die Forscher zudem mehr eingedrungene Parasiten in Muscheln mit höherer Filterleistung. Das spricht dafür, dass die Larven den Filtrationsstrom als Eintrittsweg nutzen und dass das Drosseln der Filtration die Infektionswahrscheinlichkeit tatsächlich senken kann.
„Besonders interessant ist aber, dass die Muschel auf das Risiko reagiert, bevor der Parasit Schaden anrichten konnte. Sie verändert ihr Verhalten allein wegen der Aussicht auf eine Infektion. Genau diesen Mechanismus meinen wir, wenn wir von einer ‚Ökologie der Angst‘ sprechen“, sagt Pernille Frank Kibak Nielsen.
In einer zweiten Versuchsreihe untersuchte das Team, ob dafür auch chemische Hinweise genügen. Je 20 Muscheln kamen entweder in unbehandeltes Wasser, in Wasser mit Ausscheidungen nicht parasitenfreisetzender Gemeiner Strandschnecken oder in Wasser mit Signalen infizierter Schnecken und H.-elongata-Larven.
Schon die chemischen Spuren der Strandschnecke Littorina littorea senkten die Filterrate gegenüber der Kontrolle um 41,6 Prozent. Die Kombination aus infizierten Schnecken und Parasitenlarven verringerte sie um 34,7 Prozent. Zwischen diesen beiden Behandlungen bestand kein signifikanter Unterschied. Zusätzliche Parasitenhinweise verstärkten die Reaktion also nicht nachweisbar.
„Das war eines der Ergebnisse, die uns am meisten überrascht haben. Die Schnecke selbst schadet der Muschel nicht, aber ihre Anwesenheit kann ein Zeichen dafür sein, dass Parasiten in der Nähe sind. Sie könnte fast wie ein Warnsignal im Wasser wirken. Es gibt Grund, auf der Hut zu sein“, erklärt Pernille Frank Kibak Nielsen.