// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Marktbericht: Steigende Ölpreise belasten Aktienmarkt
Nach einem erneuten militärischen Schlagabtausch im Nahen Osten ziehen die Ölpreise deutlich an. Hinzu kommen neue Zinssorgen in den USA. Der DAX dürfte zum Wochenstart mit negativen Vorzeichen starten.
Der Broker IG hat den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Handelsstart 0,4 Prozent tiefer auf 26.479 Punkte taxiert. Am vergangenen Freitag hatte der DAX bei 26.618 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht. Aus dem Handel war er 0,8 Prozent höher bei 26.569,99 Zählern gegangen. Das DAX-Jahresplus liegt aktuell bei rund neun Prozent.
Dass der deutsche Leitindex zum Wochenstart weiter ansteigt, ist jedoch zumindest unwahrscheinlich. Aussagen von US-Notenbankchef Kevin Warsh dürften auf die Stimmung drücken.
Warsh hatte am Freitag durchblicken lassen, dass für ihn die Bekämpfung der US-Inflation im Vordergrund steht. Anleger würden das als Hinweis auf eine konsequente Inflationsbekämpfung werten, heißt es von Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Die Inflationsrate liegt in den USA bei 3,4 Prozent.
Bei den Investoren schürte das die Sorgen vor einer kommenden Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve: Am Terminmarkt habe sich die gehandelte implizierte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf über 50 Prozent erhöht, so Stephan. Vor der Rede seien es noch 36 Prozent gewesen.
Am Aktienmarkt sind steigende Zinsen unbeliebt, da Zinsanlagen dann eine renditeträchtige Alternative zu Aktien werden. Gelder könnten vom Aktienmarkt in den Anleihemarkt fließen und die Aktienkurse drücken.
In der Eurozone rechnen viele Anleger längst mit einer Zinserhöhung im September. Heute Nachmittag werden die vorläufigen deutschen Inflationsdaten für den August verkündet. Am Dienstag stehen die Verbraucherpreise der Eurozone an.
Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, rechnet mit einer Inflationsrate von drei Prozent ohne Anzeichen einer Entspannung. Deswegen erwartet Greil, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im kommenden Monat zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen anheben wird.
Gegenwind kommt heute ferner vom Rohstoffmarkt. Im Nahen Osten kam es erneut zu einem militärischen Schlagabtausch zwischen USA und Iran. Die Ölpreise sprangen daraufhin nach oben. Und die Warsh-Aussagen drücken natürlich auch in Asien auf die Stimmung. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,6 Prozent auf 65.361 Punkte nach, der breiter gefasste Topix notierte 0,4 Prozent niedriger.
In China hielten sich die Anleger ebenfalls zurück. Die Börse Shanghai verlor 0,4 Prozent auf 3.937 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 1,0 Prozent auf 4.564 Punkte. In China rückten gemischte Konjunkturdaten in den Fokus. Die Fabrikaktivität verbesserte sich im August zwar leicht, blieb aber den zweiten Monat in Folge im Schrumpfungsbereich.