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Kann ein Arthritis-Medikament gegen kreisrunden Haarausfall helfen?
Haarwende bei schwerem kreisrundem Haarausfall: In zwei großen Phase-3-Studien erreichten nach 24 Wochen rund 45 bis 55 Prozent der mit Upadacitinib Behandelten mindestens 80 Prozent Kopfhaarbedeckung. Unter Placebo gelang dies nur bei rund ein bis drei Prozent, während bei einem Teil der Patienten das Kopfhaar sogar vollständig zurückwuchs.
North Chicago (U.S.A.). Bei Alopecia areata attackiert das Immunsystem die Haarfollikel und kann dadurch einzelne kahle Stellen bis hin zum fast vollständigen Verlust des Kopfhaars verursachen. Auch Augenbrauen und Wimpern können betroffen sein. Mehrere JAK-Hemmer sind bereits zugelassen, doch viele Betroffene erreichen mit den verfügbaren Behandlungen keine ausgeprägte Haarregeneration.
Forscher des Brigham and Women’s Hospital (BWH) um Arash Mostaghimi haben nun zwei parallele, weltweit durchgeführte Phase-3-Studien ausgewertet. UP-AA1 und UP-AA2 umfassten zusammen 1.399 Patienten im Alter von 12 bis 64 Jahren, die mindestens die Hälfte ihres Kopfhaars verloren hatten. Im Mittel fehlten zu Beginn rund 84 Prozent.
„Der plötzliche und oft unvorhersehbare Haarverlust bei Menschen mit AA kann Selbstwertgefühl und psychisches Wohlbefinden tiefgreifend beeinträchtigen“, erklärt Arash Mostaghimi.
Die Teilnehmer erhielten per Zufall einmal täglich 15 Milligramm Upadacitinib, 30 Milligramm Upadacitinib oder ein Placebo. Nach 24 Wochen prüften die Forscher, wie viele Patienten einen SALT-Wert von höchstens 20 erreichten, also höchstens 20 Prozent Kopfhaarverlust und damit mindestens 80 Prozent Kopfhaarbedeckung.
In UP-AA1 erreichten 45,2 Prozent mit 15 Milligramm und 55,0 Prozent mit 30 Milligramm dieses Ziel, unter Placebo waren es 1,5 Prozent. In UP-AA2 lagen die Werte bei 44,6 und 54,3 Prozent gegenüber 3,4 Prozent unter Placebo. Unterschiede zur Scheinbehandlung waren bei diesem Hauptendpunkt bereits ab der achten Woche erkennbar.
Noch strenger ist ein SALT-Wert von null, also vollständiger Haarwuchs auf der Kopfhaut. Dieses Ergebnis erreichten nach 24 Wochen 13,1 bis 14,1 Prozent mit 15 Milligramm und 20,3 bis 22,5 Prozent mit 30 Milligramm. Unter Placebo lag der Anteil in beiden Studien bei höchstens 0,7 Prozent.
„Menschen mit AA sind trotz verfügbarer Behandlungen oft mit erheblicher Unsicherheit über Schwere und Dauer des Haarverlusts konfrontiert“, sagt Arash Mostaghimi.
Die Wirkung beschränkte sich nicht auf die Kopfhaut. Bei Patienten mit deutlichem Verlust von Augenbrauen erreichten rund 41 Prozent unter 15 Milligramm und rund 59 bis 62 Prozent unter 30 Milligramm eine klare klinische Verbesserung, verglichen mit nur rund ein bis drei Prozent unter Placebo. Auch für Wimpern und mehrere Maße der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigten sich Vorteile.
Die beiden Studien liefen zunächst 24 Wochen doppelblind und placebokontrolliert, ohne dass die Wirkung bis dahin ein klares Plateau erreicht hatte. Daten über 52 Wochen und weitere Langzeitstudien sollen deshalb zeigen, wie dauerhaft Wirksamkeit und Sicherheit sind.