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Command & Conquer: OpenTS macht Tiberian Sun fit für die Zukunft
27 Jahre nach der Veröffentlichung von Command & Conquer: Tiberian Sun haben Fans dessen Engine nahezu vollständig rekonstruiert. OpenTS ist bereits spielbar, unterstützt moderne Auflösungen und soll künftig eine wesentlich bessere Grundlage für Fehlerkorrekturen, Erweiterungen und Mods bilden.
Mit OpenTS haben die Entwickler ZivDero und tomsons26 zum 27. Geburtstag von Command & Conquer: Tiberian Sun eine quelloffene Rekonstruktion der ursprünglichen Spiel-Engine veröffentlicht. Anders als bestehende Community-Patches erweitert das Projekt nicht länger die geschlossene Game.exe von Westwood, sondern bildet die Engine als eigenständiges und veränderbares C++-Projekt nach.
Die Entwickler griffen dafür auf den von Electronic Arts unter der GPL veröffentlichten Quellcode verwandter Command-&-Conquer-Spiele zurück. Die noch fehlenden, speziell zu Tiberian Sun gehörenden Bestandteile wurden durch Reverse Engineering der Originalversion rekonstruiert.
Nach Angaben der Entwickler wurden alle rund 11.150 bekannten Funktionen implementiert und mit dem Originalcode verglichen. Etwa 500 davon erzeugen derzeit noch abweichende Befehlsfolgen. Insgesamt erreicht das Projekt auf Instruktionsebene eine gewichtete Übereinstimmung von rund 98 Prozent. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um den spielbaren Anteil oder eine Aussage darüber, dass das Spiel zu 98 Prozent fertiggestellt sei. Der Wert beschreibt vielmehr, wie weit der vom rekonstruierten Quellcode erzeugte Maschinencode mit den Befehlsfolgen der ursprünglichen Game.exe übereinstimmt.
Die erste Veröffentlichung OpenTS 0.1.0 soll bereits das vollständige Tiberian Sun in Version 2.03 mitsamt der Erweiterung Firestorm ausführen können. Die Kampagnen von GDI und Nod, die Firestorm-Kampagne, Gefechte sowie das Laden und Speichern von Spielständen wurden den Entwicklern zufolge vollständig durchgespielt. Auch LAN-Partien funktionieren grundsätzlich, wurden bislang allerdings weniger umfangreich getestet.
OpenTS ersetzt unter anderem die alte DirectDraw-Ausgabe durch den plattformübergreifenden Renderer bgfx. Dadurch werden moderne Auflösungen bis hin zu 4K sowie Ultrawide-Formate unterstützt. Netzwerkpartien verwenden UDP anstelle des veralteten IPX-Protokolls. Hinzu kommen zahlreiche Fehlerkorrekturen, unter anderem für KI-Verhalten, Einheitenbewegungen, Darstellung, Trigger und das Laden von Spielständen.
Ein Remaster oder Remake ist OpenTS dennoch nicht. Das Projekt enthält keine überarbeiteten Grafiken und liefert auch nicht die ursprünglichen Spieldateien mit. Für die Installation muss Tiberian Sun aus der Command & Conquer Ultimate Collection über Steam oder die EA App installiert sein. Anschließend werden die Dateien der OpenTS-Veröffentlichung in das Verzeichnis des Spiels entpackt und die neue Game.exe gestartet.
Offiziell unterstützt wird derzeit ausschließlich Windows. Unter Wine kann OpenTS möglicherweise ebenfalls laufen, eine native Linux-Version gibt es bislang jedoch nicht.
Die Veröffentlichung von OpenTS ist nach Aussage der Entwickler lediglich der erste Schritt. Zunächst sollen CnCNet und dessen Client unterstützt werden. Anschließend ist vorgesehen, die über Jahre entstandenen Verbesserungen der Projekte ts-patches und Vinifera zu übernehmen. Vinifera soll langfristig in OpenTS aufgehen.
Danach wollen die Entwickler die Modding-Möglichkeiten über die bisherigen Grenzen der ursprünglichen Engine hinaus erweitern. Weil Änderungen nun direkt am lesbaren Quellcode vorgenommen werden können, müssen neue Funktionen nicht mehr mühsam in eine geschlossene, rund 27 Jahre alte ausführbare Datei integriert werden. Eine umfangreiche Dokumentation erklärt dazu unter anderem die Konfiguration, Karten, Trigger, Dateiformate und internen Abläufe der Engine.